Gedanken zu “Bedürfnisorientiertes Haushalten”

Wege aus dem Wachstumszwang

Wir sind angetreten weil wir ganz grundlegende Themen der heutigen Zeit im politischen Diskurs nicht wiederfinden. Aus unserer Sicht sind die Diskussionen im momentan vorherrschenden Wachstumssystem nur Kosmetik in einem an der Basis nicht funktionierenden System.
Augenscheinlich sind Wirtschaftswachstum und Beschäftigung zum primären Ziel unseres politischen und gesellschaftlichen Handels geworden. Den zugeschriebenen Effekt – die Lebensqualität der Menschen zu erhöhen – kann diese Form der Politik jedoch offensichtlich nicht erfüllen. Wir sehen, dass sich im Zuge des Standortwettbewerbs die Lebensumstände breiter Teile der Gesellschaft verschlechtert haben. Diese Dynamik nimmt auch immer mehr an Fahrt auf. Spätestens seit der Finanzkrise gibt es auch mitten in Europa anschauliche Beispiele dafür, dass unsere vermeintlich sicheren Sozial- und Pensionsansprüche nicht in Stein gemeißelt sind. Wir müssen auch einsehen, dass wir uns unsere Wachstumsideologie ökologisch schon lange nicht mehr leisten können. Die Logik „endloses Wachstum auf einem endlichen Planeten“ ist für die Erde, unser aller Lebensgrundlage, und vor allem auch für den Menschen, nicht mehr länger tragbar. Zusätzlich sind wir mit Industrie 4.0 schon mitten in der nächsten Umwälzung, die diese vorhandene Abwärtsspirale noch beschleunigen wird.

Wir sehen in all diesen Entwicklungen jedoch nicht nur eine unausweichliche Krise, sondern die Chance, neue Wege zu gehen. Wege, die durch den Fokus auf die Bedürfnisse der Menschen ein Wirtschaften abseits der Wachstumszwänge ermöglichen. Wir nennen diesen Zugang „Bedürfnisorientiertes Haushalten“. Es handelt sich dabei um eine Vielzahl von Ideen, die sich im Kern auf zwei Pfeiler stützen. Zum Einen wollen wir der enormen Ressourcenverschwendung entgegenwirken. Hier sind aus unserer Sicht viele kleine Lösungen gefragt, die man in der Landespolitik – durch Aufklärung und Unterstützung der aller Menschen bei der Umsetzung – voran bringen kann. Wir möchten hier offensichtlichen Problemen wie Nahrungsmittelverschwendung, geplanter Obsoleszenz oder absolut ineffizienten Verkehrsgewohnheiten entgegenwirken.

Zum Anderen fokussieren wir uns mit dem Ansatz des bedürfnisorientieten Haushaltens jedoch auch auf die Frage, wie wir unsere Bedürfnisse heute befriedigen und wie wir dies in Zukunft tun können. Eine Souveränität in möglichst vielen Lebensbereichen ist der Weg, den wir hier anstreben wollen. Startend mit den Grundbedürfnissen wie Essen, Trinken, Energie und Wohnen – wollen wir überlegen, wie wir diese brennenden Themen gemeinschaftlich aus unserem Lebensraum decken können. Zugrundelegend sind hier sowohl die Überlegung, dass wir der Ausbeutung von Mensch und Natur, deren Zeuge wir täglich sind, entgegenwirken wollen. Dadurch, dass wir Energie- und Hungerkrisen durch unsere „globalisierte Marktwirtschaft“ nicht weiter befeuern – und aktiv selbst neue Wege gehen – wollen wir aufhören Teil des Problems, und anfangen Teil der Lösung zu sein.

Die Umsetzung dieses Weges kann sehr vielfältige Formen annehmen. In erster Linie möchten wir es schaffen die Verschwendung zu Verringern. Hier sollen öffentliche Stellen gerettete Lebensmittel zur freien Verfügung aufbereiten und idealerweise auch verkochen. Dies kann auch durch die Bevölkerung geschehen, jedenfalls können Gemeinden und Land durch zur Verfügung-Stellung von Räumlichkeiten (bspw. Volkshäusern) in ganz Kärnten hier aktiv unterstützen.

Weiters gilt es die Verschwendung aller Ressourcen zu Verringern neben der Frage des Recyclings, möchen wir Schenk- und Tauscheinrichtungen im ganzen Land öffentlich zur Verfügung stellen. Darüber hinaus sollten Repair-Cafes öffentlich durch das Land angeboten werden. Im Idealfall können auch öffentliche Stellen geschaffen werden, die sich der Wiederinstandsetzung von Konsumgütern widmen.

Um im Punkt Verkehr besser mit unseren Energien zu Haushalten, möchten wir den öffentlichen Verkehr in seiner momentanen Form frei gestaltet sehen. Laut Rechnungshofbericht von 2014 werden in Kärnten nur 15 % der Gelder für den öffentlichen Verkehr über Ticketerlöse umgesetzt. Solange der öffentliche Verkehr für viele Kärntner keine nutzbare Alternative zum motorisierten Individualverkehr darstellt, möchten wir durch die Aussetzung der privaten Zuzahlungen, die erhobenen 85 % die schon öffentlich getragen werden, auch besser ausgelastet sehen.

Ein Punkt der uns als kleine Lösung sehr am Herzen liegt sind hier auch die sogenannten Mitfahrerbänke. Hiermit ist es möglich kärntenweit, vor allem in Tälern die Flut an PKWs mit nur einem Fahrgast zu verringern. Darüber hinaus ist diese Maßnahme mit sehr geringen Kosten verbunden und leicht wieder entfernbar.

Ein weiterer Bereich, in dem ein fundamentales Umdenken sehr großes Potential birgt, ist der öffentliche Wohnbau. Der Wohnbau der Zukunft soll verstärkt in „shared“ Konzepten gedacht werden. Dies soll heißen, dass es in Mehrparteienhäusern nach wie vor getrennte Wohnbereiche gibt. Dass aber allen Bewohnern geteilte, große Küchen, Wohnzimmer und Gärten zur Verfügung stehen. Hiermit kann man nicht nur den Ressourcenverbrauch im Bau verringern, es werden Wohnanlagenach wieder verstärkt zu Orten an denen sich Menschen begegnen.
Dieser Bereich soll auch mit dem Konzept des „Generationenwohnens“ verbunden werden. Hier sollen bewusst Menschen verschiedener Alterklassen miteinander in eine gesellschaftliche Beziehung kommen. Hiermit wollen wir die Lebensqualität aller Menschen, innerhalb der Wohnanlagen erhöhen und dem heute oftmals vorherrschenden „Heimzwang“ für ältere Menschen aktiv entgegen wirken. Prinzipiell gilt für uns die Überlegung, dass aus Steuergeldern finanzierter Wohnbau auch freies Wohnen ermöglichen sollte.

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