Kommentar von Gerald zu den Vorwürfen der SPÖ an Verantwortung Erde

Die Gemeinderatssitzung vom 6. März 2020 wird uns mit Sicherheit noch länger in Erinnerung bleiben. Dort wurde uns als Verantwortung Erde, und stellvertretend unserem Gemeinderat Sascha vorgeworfen, mit „aus den Fingern gesaugten Zahlen“ „bewusst falsche Tatsachen“ zu streuen, um „in Villach Angst und Panik“ zu verbreiten.

Bürgermeister Albel selbst konnte es sich (wie in auch schon vorangegangenen Sitzungen) nicht verkneifen, mehrfach den Kommentar „das tut schon weh, wenn man erwischt wird“ von sich zu geben. Die friedliche und freundliche Antwort von unserem Sascha sollte hier noch einmal in den Vordergrund gestellt werden „Mir tut das nicht weh, da wir nichts Falsches gesagt haben lieber Günther, aber warum willst du mir eigentlich immer weh tun?“. Eine Frage, die man sich als Bürger stellen kann, Günther Albel sollte als Bürgermeister in der Theorie nämlich dem Gemeinderat neutral vorstehen.

Aber was war eigentlich passiert?

Wir machen seit Jahren auf den Schwund von Grün- und Waldflächen in Villach aufmerksam. Die vielen Faktoren, die vor allem in der mangelnden politischen Stadt-Raumplanung damit einhergehen, möchte ich aus Platzgründen hier vorerst ungenannt lassen.

Im Dezember 2019 hat die SPÖ Villach über ihre eigenen Kanäle und über Stadtkanäle (also mit Steuergeld) eine massive „Informationskampagne“ gestartet, in der propagiert wurde, dass der Grünanteil des Stadtgebietes in Villach besonders hoch ist und die Flächeninanspruchnahme “nur” 21% beträgt. Dies sei ein “Spitzenwert” und zeige den “bedächtigen Umgang” der Stadt.

Quelle: SPÖ Villach, Facebook

Da wir aus vergangenen Recherchen wissen, dass Villach die flächenmäßig (nach Wien) zweitgrößte Stadt Österreichs ist, war uns umgehend klar, dass die Aussagekraft dieser Statistik nur sehr gering sein kann.

Zur Erklärung ein Beispiel: Zwei Städte haben je 1000 Einwohner. Gehen wir davon aus, dass Stadt A eine Fläche von 200.000 m² zur Verfügung hat und Stadt B eine Fläche von 1.000.000 m². Nun verbaut Stadt A eine Fläche von 100.000 m² um und Stadt B eine Fläche von 400.000 m². Stadt A würde hierbei auf eine prozentuelle Flächennutzung von 50 % kommen. Stadt B würde nur auf eine prozentuelle Flächennutzung von 40 % kommen. Ist Stadt B nun nachhaltiger, obwohl sie 4x so viel Fläche bei gleicher Einwohnerzahl verbaut hat?

Stadt A

Stadt B

Einwohner

1 000,00

1 000,00

Gesamtfläche in m²

200 000,00

1 000 000,00

Verbauung in m²

100 000,00

400 000,00

Grünanteil

50%

60%

Wir haben daraufhin versucht, bei der SPÖ und in weiterer Folge bei der Stadt Quellen für die präsentierten Zahlen zu finden. Leider war man bei der SPÖ sehr stumm, was eine Quellenangabe anging. Im Gegenteil: Auf Anfrage wurde uns vorgeworfen, dass wir „eh wüssten, wo es die Daten gibt, das wisse jeder in der Stadt“, und dass wir „mit dieser Frage nur populistisch auftreten“ wollen würden.

Auch dies haben wir zur Kenntnis genommen und weiter geforscht. Zum Glück verstehen sich die Mitarbeiter*innen des Magistrates Villach als Dienstleistende an Bürger*innen. Uns wurde daher mitgeteilt, dass die Daten aus Quellen des Umweltbundesamtes bzw. des Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen stammten. Nach kurzer Anfrage beim Umweltbundesamt wurden uns Berechnungsmethoden und Datenquellen genannt und wir konnten loslegen.

In weiterer Folge haben wir weder Zeit noch Mühe gescheut, um möglichst genau eine Idee zu entwickeln, wie wir auf transparentem Weg ein komplexes Thema aufbereiten und vergleichen können.

Flächeninanspruchnahme pro Kopf

Vorweg, wir haben immer gesagt, dass die Zahlen der SPÖ inhaltlich korrekt sind. Sascha hat dies auch in der Gemeinderatssitzung und in jedem Pressegespräch wiederholt. Die Informationen, die wir mit der Presse geteilt haben findet ihr hier.

So sind wir zu dem Entschluss gekommen, die Flächeninanspruchnahme (Definition des Umweltbundesamtes), bezogen auf die Einwohnerzahl zwischen den Städten zu vergleichen.

Um im Vorhinein dem Vorwurf zu begegnen, wir würden uns bestimmte Vergleiche herauspicken, haben wir die Zahlen gleich für die 10 größten Städte (nach Einwohnern) Österreichs herausgesucht.

Um im Vorhinein auch dem Vorwurf zu begegnen, man könne Villach nicht mit den Großstädten vergleichen, haben wir die Auswahl auf die 15 größten Städte Österreichs erweitert. Hier liegt Villach als Stadt mit den 7. meisten Einwohnern ziemlich genau in der Mitte.

Um im Vorhinein dem (berechtigten) Vorwurf zu begegnen, dass die von uns oft genannte Bodenversiegelung durch Schätzwerte berechnet wird, und somit nicht aussagekräftig ist, haben wir uns auf die von der SPÖ auf ihren Taferln verwendeten Daten zur „Flächeninanspruchnahme“ fokussiert.

Um im Vorhinein dem Vorwurf zu begegnen, wir würden die Zahl herauspicken, die uns gerade passt, haben wir die Gründe, die für die Verwendung der „Flächeninanspruchnahme“ sprechen, explizit in mehreren Gesprächen genannt. Vordergründig zu nennen sind hier aus unserer Sicht:

Wenn wir nun unser Eingangsbeispiel fortsetzen und uns die Flächeninanspruchnahme pro Einwohner ansehen, kommen wir zu einem sehr veränderten Bild:

Stadt A

Stadt B

Einwohner

       1 000

           1 000

Gesamtfläche in m²

   200 000

   1 000 000

Verbauung in m²

   100 000

      400 000

Grünanteil

50%

60%

Inanspruchnahme pro Einwohner in m²

100

400

Somit benötigt Stadt B vier Mal so viel Fläche, um die Bedürfnisse ihrer Bewohner zu stillen, als Stadt A. Dies lässt darauf schließen, dass Stadt B nicht sehr verantwortungsvoll mit der knappen Ressource Boden umgeht.

Um diesen Umstand aufzuzeigen und ein Problembewusstsein zu schaffen, haben wir die Informationen hier auf unserer Homepage veröffentlicht. Selbstverständlich gleich direkt mit Lösungsvorschlägen, die ihr auch dort verlinkt findet.

Um die Vorwürfe der SPÖ zusammenfassend zu beantworten:

Hat Verantwortung Erde (bewusst oder unbewusst) mit falschen Zahlen gearbeitet, um die SPÖ und die Stadt zu diskreditieren?

Nein, die SPÖ hat keine einzige der von uns genannten Zahlen widerlegt. Vielmehr hat die SPÖ noch in der Sitzung Medien eine Datei zugespielt, die unsere Zahlen bestätigt.

Die SPÖ spricht nun vom Wert der Bodenversiegelung, und sagt, dass die Flächeninanspruchnahme ein falscher Messwert sei. Stimmt das?

Die Flächeninanspruchnahme ist der Wert, den die SPÖ selbst in ihrer Infokampagne bemüht hat. Weiters ist es der Wert, der vom Umweltbundesamt empfohlen wird. Es ist auch der einzige Wert, der relativ genau erhoben werden kann, da die Versiegelung durch Schätzwerte berechnet wird.

Warum hat Verantwortung Erde nicht selbst auch die Bodenversiegelung mitberechnet?

Unsere Auswertung enthält auch Informationen zur Bodenversiegelung. Hier schneidet Villach nicht mehr als Drittschlechtester ab, sondern als Viertschlechtester, wie nachstehender Tabelle zu entnehmen ist.

Versiegelung m² / Einwohner
1 Wr. Neustadt 277,37
2 St. Pölten 240,01
3 Wels 182,85
4 Villach 177,69
5 Klagenfurt 168,72
6 Steyr 146,70
7 Dornbirn 140,49
8 Leonding 125,94
9 Linz 120,17
10 Feldkirch 111,40
11 Salzburg 98,55
12 Graz 89,20
13 Bregenz 87,76
14 Innsbruck 77,20
15 Wien 53,08

Wir haben

uns aufgrund der Informationsfülle aber dazu entschlossen, uns in der Kommunikation auf so wenig Werte wie möglich zu konzentrieren, um Verwirrung bzw. das durcheinanderbringen der Werte zu vermeiden.

Ich habe in einigen Medien gelesen, dass ihr von Flächenverbrauch und Versiegelung gesprochen habt, wie könnt ihr euch das erklären?

Wir haben stets versucht, den Begriff der Flächeninanspruchnahme zu benutzen und auch zu erklären. Dies kann vor allem den Aussendungen entnommen werden, die wir schriftlich gemacht haben. Die grundlegende Präsentation zu dem Thema findet ihr hier.

Warum behauptet die SPÖ dann, dass Verantwortung Erde die Unwahrheit gesagt hätte?

Wir können uns diesen Umstand nur mit einer „Flucht nach vorne“ erklären. Nachdem klar wurde, dass die SPÖ-Zahlen statt die eigene Arbeit „grün zu färben“, ihr ein schlechtes Zeugnis ausstellen würde, versuchte man den Überbringer der Nachricht zu diskreditieren. Auffällig ist hierbei, dass die SPÖ, die selbst verbreiteten Zahlen zur „Flächeninanspruchnahme“ nun als täuschend und verklärend bezeichnet, nur weil wir sie auf die Flächeninanspruchnahme pro Einwohner heruntergebrochen haben.

Abschließend möchten wir darauf hinweisen, dass wir weder Menschen in Villach, noch unsere Stadt in irgendeiner Form in Verruf bringen wollen. Uns geht es darum, ein Bewusstsein für ein vorhandenes Problem zu schaffen und direkt mit Lösungen gegenzusteuern. Wir wissen nicht, warum sich die Stadtpolitik so vehement gegen objektives Zahlenmaterial wehrt.

Solange wir in Villach jedoch weiterhin Grünfläche um Grünfläche und somit unsere Lebensgrundlage zerstören, werden wir nicht müde werden, uns diesem Thema anzunehmen.

Boden schützen, Leerstand nützen!

UPDATE 11.3.2020: Es ist uns ein großes Anliegen bei in unserem Wirken so hochwertung und exakt wie möglich zu arbeiten. Wir haben in den letzten Tagen sehr viel, sehr positives Feedback von allen Seiten erhalten, für das wir uns herzlich bedanken möchten. Wir wurden auch darauf aufmerksam gemacht, dass die Benützung von Einwohnerzahlen aus der Vorperiode zu leichten Abweichungen geführt hat. Diese haben wir im Sinne eines möglichst aktuellen Datenstandes nun bereinigt. Die genauen Werte für m² je Einwohner haben sich dadurch leicht verändert. Die Grundaussagen der Zahlen bleiben dadurch jedoch gänzlich unverändert. Bei Fragen zu den kommunizierten Zahlen wendet euch bitte an gerald@verantwortung-erde.org.

Wie wohl die meisten Leser*innen dieses Beitrages wissen, setzen wir uns als Verantwortung Erde seit Jahren für den Schutz unserer Böden ein. Böden sind für uns mehr als verwertbare Kapitalanlagen. Böden stellen für uns einen elementaren Teil unserer Lebensgrundlage dar. Nicht zuletzt weil

  • Über 90 % unserer Nahrung aus dem Boden kommt;
  • Boden Lebensraum für eine unschätzbare Zahl an verschiedensten Lebewesen ist;
  • Böden als Retentionsfläche bei Extremwetterereignissen Unmengen an Wasser speichern (oder bei Verbau eben auch nicht);
  • Böden große Mengen Kohlenstoff speichern;
  • Naturbelassene Böden die Umgebung kühlen (oder bei Verbau aufheizen);
  • Böden eine schadstoff-filternde Naturschutzfunktion erfüllen;

Sehen wir Bodenschutz vor allem auch als Schutz unseres Lebensraumes, dessen Ökosystem auch den Menschen schützt und ernährt!

Menschen, die sich mit diesem Thema – wenn auch nur entfernt – außeinandergesetzt haben, ist bei Betrachtung des Umgangs mit der Lebensgrundlade Boden in Kärnten und in Villach wohl klar, dass hier in den letzten Jahrzehnten einiges schief gegangen und aus dem Ruder gelaufen ist. Der Logik folgend, immer weiter wachsen zu müssen und gleichzeitig Kosten zu sparen, wurde sehr oft die „grüne Wiese“ als billigste Baugelegenheit identifiziert.

Viele unabhängige Studien kommen hierbei zu dem Schluss, dass Kärnten gemeinsam mit dem Burgenland und Niederösterreich in der Kategorie der Flächeninanspruchnahme österreichweit alle anderen Bundesländer abhängen.

Wir haben uns die Situation in Villach im Vergleich zu den anderen fünfzehn größten Städten Österreichs angesehen. Die Auswertungen beruhen auf Daten des Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen und die Definitionen haben wir vom Umweltbundesamt übernommen.

Hierbei sehen wir, dass Villach in % der Gesamtfläche gesehen einen Spitzenwert in Österreich einnimmt. Gerade vor dem Hintergrund, dass Kärnten kein Bodenmusterland ist, ein sehr überraschendes Ergebnis.

Wir haben jedoch etwas genauer hingesehen. Mit dem Wissen, dass Villach über eine sehr große Fläche (Villach ist die flächenmäßig zweitgrößte Stadt in Österreich) und eine relativ geringe Einwohnerzahl verfügt, ist es naheliegend, dass wir weniger der Gesamtfläche benutzen und benötigen.

Zur Erklärung ein Beispiel: Zwei Städte haben je 1000 Einwohner. Gehen wir davon aus, dass Stadt A eine Fläche von 200.000 m² zur Verfügung hat und Stadt B eine Fläche von 1.000.000 m². Nun verbaut Stadt A eine Fläche von 100.000 m² und Stadt B eine Fläche von 400.000 m². Stadt A würde hierbei auf eine prozentuelle Flächennutzung von 50 % kommen. Stadt B würde nur eine prozentuelle Flächennutzung von 40 % kommen. Ist Stadt B nun nachhaltiger, obwohl sie 4x so viel Fläche verbaut hat?

Stadt A Stadt B
Einwohner 1 000,00 1 000,00
Gesamtfläche in m² 200 000,00 1 000 000,00
Verbauung in m² 100 000,00 400 000,00
Grünanteil 50% 60%

Wir wollten einen Vergleich mit anderen Städten ziehen, um zu sehen, ob wir mit unseren großen Flächen sparsam umgehen und haben darum die Flächeninanspruchnahme ins Verhältnis zur Einwohnerzahl gesetzt.

Plötzlich zeichnet sich hierbei ein sehr konträres Bild ab. Anstatt drittbeste zu sein, ist Villach nun an drittletzter Position, was die Bodensparsamkeit angeht.

Wenn wir nun unser Eingangsbeispiel fortsetzen und uns die Flächeninanspruchnahme pro Einwohner ansehen, kommen wir zu einem sehr veränderten Bild:

Stadt A Stadt B
Einwohner        1 000,00            1 000,00
Gesamtfläche in m²    200 000,00    1 000 000,00
Verbauung in m²    100 000,00       400 000,00
Grünanteil 50% 60%
Inanspruchnahme pro Einwohner in m² 100 400

Somit benötigt Stadt B pro Kopf vier Mal so viel Fläche, um die Bedürfnisse ihrer Bewohner zu stillen wie Stadt A. Dies lässt darauf schließen, dass Stadt B nicht sehr verantwortungsvoll mit der knappen Ressource Boden umgeht.

Umgerechnet auf reale Städte lässt sich hierbei sagen, dass Villach für seine ca. 62.000 Einwohner rund 30 Millionen m² in Anspruch nimmt, während bspw. Salzburg für fast 2,5 x so viele Einwohner (ca. 150.000) nur 34 Millionen m² benötigt.  Salzburg schafft es also, auf circa. 13 % mehr Fläche die Bedürfnisse von rund 150 % mehr Menschen zu stillen.

Die Gründe hierzu sind vielfältig. Vordergründig haben wir diesen verschwenderischen Umgang jedoch zwei in der Stadtplanung anzusiedelnden Punkten anzukreiden. Zum einen führt das seit Jahrzehnten mangelnde öffentliche Verkehrssystem dazu, dass Villach enorm viel Platz für Straßen und Parkplätze verbraucht. Zum anderen ist die augenscheinlich sehr planlose Stadt- und Bauentwicklung frei von jeglichen Nachhaltigkeitskriterien. Anschaulich wird dies am Beispiel Maria Gailer-Straße. Hier wurden in den letzten Jahrzehnten sehr viel gebaut. Und gebaut wurde vor allem in die Breite. Sehr viele ebenerdige Geschäftsflächen werden von – in der Grundfläche noch einmal anderthalb Mal so großen – Parkplatzflächen begleitet. Wenn sich die Stadtpolitik schon dafür entscheidet, dieses großräumige Gebiet der Natur abzuringen, um darauf Geschäftsflächen zu bauen, hätte eine sorgsame Städteplanung zumindest dafür Sorge tragen müssen, dass die Gebäude dort insgesamt höher und die Parkplätze unterirdisch gebaut werden. Kurzgesagt, das Baugeschehen hätte verdichtet werden müssen.

Hinzu kommt noch der traurige Umstand, dass riesige Leerstandsflächen in diesem Gebiet (OBI, alter Neukauf,…) nicht neu genutzt wurden. Dennoch wird es nach wie vor als sinnvoll erachtet, für bspw. ein Gartencenter Waldflächen in diesem Gebiet zu roden.

Der Bereich um die GAV / Maria Gailer-Straße ist hier nur ein Beispiel wie unsere Stadtentwicklung dazu führt, dass Villach so alarmierende Ergebnisse bei der Flächeninanspruchnahme erreicht.

Uns war es wichtig, mit der Erhebung der vorhandenen Zahlen ein Problembewusstsein zu schaffen, um es künftig besser machen zu können. Hierzu haben wir initial im Villacher Gemeinderat drei Anträge eingebracht, die darauf abzielen:

  • Vorhandene Leerstandsflächen in Villach zu erheben
  • Diese Leerstandsflächen aktiv an Projektwerber heranzutragen
  • Eine Gebührenreform durchzuführen, die das Bauen auf der grünen Wiese nicht länger zur billigsten Alternative macht
  • Jeden künftigen Umwidmungsantrag im Gemeinderat mit folgenden Informationen zu ergänzen:
    • Gibt es leerstehende Gebäude, die zum Projektzweck verwendet werden könnten?
    • Gibt es bereits versiegelte Flächen, die für den Projektzweck verwendet werden könnten?
    • Gibt es bereits umgewidmete Flächen, die für den Projektzweck verwendet werden könnten?
    • Ist das Projekt, und somit die Umwidmung, in allgemeinem öffentlichem Interesse?

Die Anträge findet ihr hier, hier und hier.

Zwar sind unsere Vorschläge nur kleine Schritte in der Verbesserung der Situation unserer Stadt. Doch wir empfinden es als wichtig, überhaupt damit anzufangen und unsere Verantwortung wahrzunehmen. Wir hoffen, dass dieses Problem endlich anerkannt wird und der enorme Flächenfraß in Villach nicht weiterhin aus politischem Kalkül  beschwichtigend grün gefärbt wird. Es ist höchste Zeit, die Tragweite unserer Entscheidungen und die Langfristigkeit dieser Zerstörung von Lebensgrundlagen anzuerkennen und auf dieser Grundlage einen neuen, schützenden Umgang mit dem Boden zu entwickeln.

5G – Fluch oder Segen? Ein Kommentar von Gerald Dobernig

Wie schon bei der Einführung bisheriger Drahtlostechnologiestandards, ist auch beim Thema 5G die Verunsicherung groß. Verstärkt wird diese zum Teil durch unverantwortliche Meldungen, die teilweise falsche oder grob vereinfachte Sachverhalte zu reißerischen Meldungen aufbauschen.
Dies allein klärt jedoch die Frage nach der Wirkung der 5G Technologie auf Umwelt und Mensch noch nicht. Denn sowohl Befürworter als auch Gegner der Technologie schaffen es bislang nicht, die zentralen Fragen inhaltlich zu beantworten. Klar ist: Langzeitstudien zur Technologie kann es noch keine geben. Aber bedeutet dies, dass wir das Vorsorgeprinzip außer Acht lassen können?

Die Diskussion über die 5G-Technologie wird in erster Linie von drei zentralen Fragen geprägt.

· Sind die Frequenzbereiche – die sich dem Mikrowellenbereich annähern – gefahrlos nutzbar?
· Ist die massive Zunahme der Anzahl an Sendestationen ungefährlich?
· Ist die „Zwangsbeglückung“ der gesamten Bevölkerung sinnvoll und ethisch sowie rechtlich zulässig?

Zumindest zur ersten Frage scheint es erste wissenschaftliche Evidenzen zu geben. Unter Laborbedingungen und in Kleinversuchen konnte keine negative Wechselwirkung zwischen Umwelt und der Strahlungstechnologie festgestellt werden.
Jedoch führt dies direkt zur zweiten Frage: Unter realen Bedingungen haben die 5G Frequenzen den großen Nachteil,dass Ihre Reichweite gegenüber herkömmlichen Technologien stark verkürzt ist. Somit muss sich für einen flächendeckenden 5G-Betrieb die Anzahl der Sendestationen massiv erhöhen. Zusätzlich müssen diese Stationen künftig – nicht wie bisher am Dach – sehr nahe an den technischen Empfangsgeräten angebracht werden. Das heißt, dass sich die durchschnittliche, physische Nähe von Personen und Empfangsgeräten zur Sendeanlage mit der 5G-Technologie stark verringern wird.
Es ist zum heutigen Zeitpunkt nicht möglich, eine Aussage über die mittel- und langfristige Wirkung dieser Strahlenexposition auf Mensch und Umwelt zu treffen. Das heißt, dass sowohl Schreckensszenarien, wie auch Entwarnungen zum heutigen Zeitpunkt nicht faktenbasiert geschehen können.
Dies bringt uns zur letzten, und eigentlich spannendsten Frage: Ist es allen Menschen zumutbar, in ihrem Lebensraum mit den etwaigen negativen Auswirkungen dieser technischen Erneuerung leben zu müssen?
Vorweg ist hier anzumerken, dass es bereits heute schon Menschen gibt, die von negativen Beeinträchtigungen durch elektromagnetische Strahlenwirkung berichten. Studien zu diesem Thema sind zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen. Für mich persönlich erscheint die Ansicht, dass die allgegenwärtige Bestrahlung mit elektromagnetischen Feldern auf einen Organismus, dessen Funktionsweise sich stark an elektromagnetischen Prozessen orientiert, gar keine Auswirkung haben könnte, reichlich naiv.
Aus gesundheitlicher und ökologischer Sicht widerspricht der aktuelle Wissensstand über die Technologie jedenfalls dem Vorsorgeprinzip. Auch ein Aufzwingen der Technologie gegenüber Personen, die gesundheitliche Auswirkungen befürchten, widerspricht aus meiner Sicht dem Minderheitenschutz, dem wir uns in der Demokratie verpflichtet fühlen.
Noch vielsagender ist hierbei jedoch die Betrachtung der Sinnhaftigkeit dieser Technologien und vor allem der Vorstoß in der Stadt Villach. Aktuell gibt es keine Trägertechnologien, die den Standard 5G benötigen. Das heißt: Es gibt kaum Empfangsgeräte, die 5G überhaupt empfangen könnten. Darüber hinaus gibt es jedoch aktuell überhaupt keine praktischen Anwendungen, für die 5G unbedingt benötigt werden würde. Die immer wieder plakativ genannte Anwendung des autonomen Fahrens befindet sich noch mindestens 10 Jahre in der Zukunft. Hierzu würde ich aber dringend empfehlen, die schon über lange Zeit versäumten Hausaufgaben nachzuholen, bevor man sich über die Mobilität der nächsten Generation Gedanken macht: In einer Stadt, in der es keinen wahrnehmbaren öffentlichen Verkehr gibt, gäbe es genug Themen, die nicht erst seit gestern dringend nach Aufmerksamkeit verlangen und mit denen man sich beschäftigen könnte, bevor man Technologien fordert und befördert, deren Auswirkungen nicht abschätzbar sind und die jeden einzelnen Menschen in unserer Stadt betreffen.
Als Verantwortung Erde sind wir immer wieder bemüht, uns politisch vorrangig mit den Themen zu beschäftigen, die in der Kompetenz der Gremien liegen, in denen wir vertreten sind. Die aktuelle 5G Situation wurde auf Bundesebene bei Lizenzversteigerungen entschieden. Danach hat eine private Firma, die österreichweit das Recht zur Nutzung bestimmter Frequenzen besitzt, entschieden Villach zu einer Testregion zu machen. Diese Entscheidung betrifft den Villacher Gemeinderat weder direkt, noch indirekt. Als Bewegung (die dezidiert keine Partei ist), nehmen wir daher für uns das Recht in Anspruch, zu manchen Themen keine einheitliche Meinung zu haben und nach außen kommunizieren zu müssen. Wir bitten hier um euer Verständnis.