“Wie könnt ihr es wagen?” – Ein Kommentar von Sascha Jabali-Adeh zur geplanten Ressenig-Erweiterung

“Wie könnt ihr es wagen unsere Träume, unsere Kindheit und unsere Zukunft zu stehlen und durch eure Märchen vom grenzenlosen (Wirtschafts-)Wachstum zu zerstören?”

Diese Frage stellte Greta Thunberg vor einigen Tagen auf der höchsten politischen Ebene, vor den Vereinten Nationen.

Dieselbe Frage stellt sich aber auch im (vergleichsweise) kleinen Villach, wenn Bürgermeister Günther Albel die Zerstörung von 10.000 Quadratmeter Wiese durch die Expansion eines (Rüstungs-)Industrie-Betriebs gegenüber der Kleinen Zeitung mit der “Stärkung des Wirtschaftsstandortes” rechtfertigt.

Wie können wir es wagen weiterhin intakte Lebensräume für Geld, “Arbeitsplätze” und Wirtschaftswachstum zu zerstören, wo wir doch mittlerweile alle wissen, dass wir damit auch die Zukunft unserer Kinder zerstören? Wie können wir es wagen, stur an der selben Logik, der selben Prioritätensetzung festzuhalten, die uns durch ihre Entscheidungen in den vergangenen Jahrzehnten und auch in der jüngsten Vergangenheit (Dehner-Gartenmarkt, Infineon-Erweiterung usw.) an den Rande des ökologischen Kollaps gebracht hat?

Nicht Geld ist unsere Lebensgrundlage, die Natur ist es. Sie zu schützen muss endlich oberste Priorität in unseren Entscheidungen einnehmen. Nicht weiter betonieren und versiegeln – sondern Renaturierung, eine Trendumkehr! Das würde unserer Verantwortung in dieser Situation entsprechen.

Wir appelieren an die Mitglieder des Villacher Gemeinderates bei der Sitzung am 3. Oktober diese Verantwortung zu übernehmen und für den Erhalt des Grünraumes, mitsamt seinen Bäumen, Tieren, Blumenwiesen, und Bienenstöcken, bzw. gegen den Verkauf der Grünfläche zu stimmen.

Wenn auch du der Meinung bist, dass der Ausverkauf der Villacher Natur ein Ende haben soll kannst du die an den Villacher Gemeinderat gerichtete Anrainer-Petition unterstützen:

https://www.openpetition.eu/at/petition/online/stoppt-den-ausverkauf-der-natur-in-villach-2

Der Online-Bericht der Kleinen Zeitung ist hier nachzulesen:

https://www.kleinezeitung.at/kaernten/villach/aktuelles_villach/5697160/Betriebsausbau-in-Villach_Grundverkauf-fuer-Ressenig-vor-Beschluss?s98k&xtor=CS1-15-%5Bvil%5D&fbclid=IwAR3MGAocWoW3JC2ALVDphW2cehF3YWrFIulm0aEixeAu3XTaNFLPo1cRr-Y

Bericht: Climate Emergency in der Sitzung des Villacher Gemeinderates vom 04.07.2019

Am Donnerstag den 04.07.2019 fand die Sitzung des Villacher Gemeinderates statt. Neben den von uns eingebrachten Anträgen auf der Tagesordnung (9 Stück an der Zahl), gab es auch noch den Dringlichkeitsantrag aller Fraktionen – auf drängen der Fridays For Future Bewegung in Villach – den Climate Emergency (z.Dt. Klimanotstand) in Villach auszurufen. Am Anfang der Sitzung kam es auch noch zu einer Demonstration des Waldorfverein Villach zur Förderung ihres Kindergartens, um ihn vor der Schließung zu bewahren. Die Sitzung wurde vom Bürgermeister unterbrochen und wir haben uns gemeinsam mit den anderen Fraktionen die Situation des Waldorfkindergartens von Vereinsmitgliedern erklären lassen. Danach ging es mit der Gemeinderassitzung weiter und die folgenden neun Anträge unsererseids wurden vom Gemeinderat behandelt (in den Verlinkungen findet man die Anträge in voller Länge zum Nachlesen).

Punkt 6: Villach plastikfrei

Punkt 8: Schenkfest

Punkt 9: Werkzeugbibliothek

Punkt 23: Paracelsuspark

Punkt 24: Mit Pflanzen malen

Punkt 30: Film zum 10. Oktober

Punkt 36: Freier öffentlicher Nahverkehr

Punkt 37: Villach autofrei

Punkt 60: Villach ernährungssouverän

Leider gab es, bis auf Punkt 6, keine Mehrheit für die von uns eingebrachten Anträge.  Zu einer hitzigen Diskussion kam zum Punkt 27. “Pop-up Plus” als unser Erde-Gemeinderat René Kopeinig die Innenstadt als reinen Konsumort für tot erklärt hatte. Heftige Reaktionen der SPÖ und ÖVP-Fraktion waren die Folge. Das “tote Pferd” war auch, einige Tagesordnungspunkte später, immer noch Thema in den Debatten. Es scheint hier also ein Nerv getroffen worden zu sein. Als Verantwortung Erde wollen wir die Innenstadt neu denken, wie wir es bereits auch in einigen Anträgen diesbezüglich formuliert haben, wurde die Entscheidung wo in Villach konsumiert werden soll, bereits vor langer Zeit getroffen. Das gilt es für die Innenstadt einzugestehen und neues in ihr zuzulassen.

Am Ende der Tagesordnung zu Punkt 61. wurden noch die Anträge und Anfragen durch den Bürgermeister verlesen. Wir haben, wie auch zum Teil in den Wortmeldungen angekündigt, folgende Anträge und Anfragen eingebracht:

Nach Abarbeitung der Tagesordnung kamen die dringlichen Anträge der Gemeinderatsfraktionen dran. Wie eigentlich in fast jeder Sitzung wurde von uns drauf hingewiesen, uns die Anträge zumindestens einen Tag vor der Sitzung zukommen zu lassen und sie uns nicht in der laufenden Sitzung zu zeigen, da wir uns ansonsten keine wirkliche Meinung zum Antrag bilden können. Es kam daher zu einigen Enthaltungen seitens unserer Fraktion, aber auch zu Wortmeldungen und Zustimmungen zu Anträgen die uns rechtzeitig erreicht haben.

Der letzte Antrag des Abends war der Climate Emergency Dringlichkeitsantrag der Fridays for Future Bewegung Villach. Gemeinderat René Kopeinig zitierte in seiner Rede aus dem Werk “Wenn nicht jetzt, wann dann?” des Philosophen und Astrophysiker Prof. Harald Lesch und nahm vor allem die Städte – im Besonderen Villach als mögliche Vorreiterstadt – in die Verantwortung, in Zeiten der Klimakrise, diese anzuerkennen und die richtigen Schritte zu setzen. Am Ende des Abends wurde der Antrag einstimmig angenommen. Es kam zum Applaus und man gratulierte den Jugendlichen der Fridays For Future Bewegung, die die ganze Sitzung von der Tribüne aus mitverfolgt haben, natürlich ganz besonders gratulierte man der Aktivistin Julia Hueter, die an diesem Tag auch noch ihren Geburtstag feierte.

Man kann sagen, trotz einer turbulenten Sitzung, mit einigen Rückschlägen, war es ein gelungener Abschluss für uns als Fraktion Verantwortung Erde. 🙂

Es gibt nun auch die Möglichkeit sich die Gemeinderatssitzungen online nachzuschauen, wenn man den Stream verpasst hat. Diese Gemeinderatssitzung ist damit die Dritte, die zum Anschauen freigegeben wurde. Ihr findet die Sitzung in voller Länge hier:

https://portal.ucvis.com/i/villach/gemeinderatssitzung/47

Rückblick: Gemeinderatssitzung vom 8. März

Schon vorletzten Freitag, den 8. März, fand – diesmal im Bambergsaal des Parkhotels – die erste Gemeinderatssitzung des Jahres statt.

Die Sitzung ist erstmals unter diesem Link online nachsehbar.
Neben der umfassenden und fundierten Argumentation unseres Gemeinderates René zum Thema Cannabis und Freier Software haben wir auch folgende Anträge eingebracht, die ihr wie immer in unserer Gemeinderatssparte, hier auf der Homepage findet:

„Grundsatzbeschluss Villach:autofrei“

Die Stadtpolitik hat die Entscheidungen, wo Handel und Konsum stattfindet, durch das ermöglichen der Einkaufszentren Atrio, VEZ und Neukauf schon vor Jahren getroffen. Da gleichzeitig alle nennenswerten Institutionen und Siedlungsprojekte in den letzten Jahrzehnten außerhalb des Stadtzentrums umgesetzt wurden, erscheint es logisch, dass die reichlich mit Parkmöglichkeiten und umfassendem Sortiment ausgestatteten Shopping-Zentren von den BürgerInnen der Villacher Innenstadt vorgezogen werden.

Wir plädieren dafür, diesen Umstand anzuerkennen und auf Basis der Realität eine neue Vision für die Villacher Innenstadt zu entwickeln. Eine Innenstadt, die es sich nicht mehr zum Ziel setzt, Shoppingmeile sondern Lebensraum für die BewohnerInnen und Gäste der Stadt zu sein. Die Zutaten hierfür sind leicht zu finden: Städte in ganz Europa leben es in jeder Größenordnung vor.

Von Kopenhagen über Maastricht und Ljubljana bis nach Gmünd. Die lebenswertesten „Fleckerln“ entwickeln sich dort, wo der motorisierte Individualverkehr nicht mehr stattfindet. Daher möchten wir die Vision einer autofreien Innenstadt auch in Villach forcieren.

Wir schlagen deshalb vor, die Villacher Innenstadt bis zum Jahre 2026 in höchstmöglichem Maße vom motorisierten Individualverkehr zu befreien. Zur Erreichung dieses Ziels wird eine Projektgruppe eingerichtet, die bis zum Ende des 1. Quartals 2020 und unter Einbindung der Villacher Bevölkerung konkrete Maßnahmen und Umsetzungspläne zur Zielerreichung erarbeitet.

„Villach-Wagerl“

Wir schlagen vor, den BesucherInnen der Villacher Innenstadt in Form von „Leiterwagerl“, sogenannten „Villach-Wagerl“, die Möglichkeit zu bieten, mit Freude als Familie Mobilität neu zu erleben. Darüber hinaus eignen sich die Leiterwagerl auch als Transportmittel mengenmäßig vieler oder auch verzeinzelter größerer Dinge über längere Strecken über das Villacher Kopfsteinpflaster.

„Werkzeugbibliothek“

Die nachhaltigste Form des Konsums ist es, unnötigen Konsum zu vermeiden und dadurch Ressourcen zu schonen.

Nach dem Vorbild verschiedener Konzepte, die es bereits in vielen europäischen Städten gibt, soll es künftig auch in Villach möglich sein, kostenlos Werkzeuge und andere Gebrauchsgegenstände zu entlehnen. Durch den gemeinsamen Ankauf von Werkzeugen wird eine bedarfsgerechte Lösung geschaffen, die Ressourcen schont und die Brieftasche der Einzelnen entlastet.

Werkzeugbibliothek in der Innenstadt

  • In der Innenstadt soll nach dem Vorbild der “Library of Things” eine Entlehnstelle für Werkzeug entstehen:
    • Dieses Werkzeug wird den BewohnerInnen nach Anmeldung kostenfrei zur Verfügung gestellt.
    • Erinnerungs- und Mahnmechanismen funktionieren wie in einer gewönlichen Bibliothek.
  • Ziele der Werkzeugbibliothek:
    • Ressourcen schonen – selten genutzte Werkzeuge werden seitens der Stadt angeschafft und müssen nicht mehr von jedem Haushalt einzeln besessen und für jeden einzelnen Haushalt hergestellt werden.
    • Bürger entlasten – durch die Leih-Möglichkeit von Gebrauchsgegenständen wird eine finanzielle Barriere für den Zugang zu benötigtem Werkzeugen abgebaut und die Brieftasche der Bürger geschont. Darüber hinaus wird zu Hause weniger Stauraum für selten genutzte Gegenstände benötigt.

„Mit Pflanzen malen“

Bäume und Sträucher können durch ihre Farbenvielfalt Stadtbilder je nach Jahreszeit unterschiedlichst verschönern. Wir schlagen daher vor, den Villacher Stadtgarten um die Ausarbeitung und Durchführung eines vielfältigen Bepflanzungskonzepts entlang der Drauperme zu ersuchen, das den Erhalt der Artenvielfalt, die Ästhetik unserer Innenstadt und die Lebensqualität der BesucherInnen berücksichtigt. Die Bepflanzung soll an geeigneten Stellen essbar sein und zur Ernte einladen.