Warum ich keinen Bitcoin-Antrag mehr unterstütze. – Ein Kommentar von René M. Kopeinig

Die Idee

Ich habe als Gemeinderat der Verantwortung Erde am 14.04.2016 einen Antrag zum Thema Bitcoin im Villacher Gemeinderat eingebracht, weil ich der Überzeugung war damit etwas Gutes für Villach zu tun. Mein damaliger Zugang zum Bitcoin war der, dass diese Währung eine ist, die abgekoppelt vom Bankenmarkt unabhängig und weltweit funktioniert. Daher war mein Ansatz mit diesem Antrag, dass auch Villacherinnen und Villacher an dieser Währung teilhaben können, die eben weder einen Computer noch Internet besitzen. In diesem Antrag stellte ich den Wunsch, dass wir als Stadt einen sogenannten Bitcoin-Automaten – also ein Gerät das wie ein ganz normaler Bankomat aussieht, nur anstatt Geld auszuspucken, kann dort Währung in Bitcoins getauscht werden – betreiben, um damit die genannten Hürden abzuschaffen. Ich war fasziniert von der Technik mit der die Bitcoins und heutzutage viele weitere Cryptowährungen arbeiten. Diese digitalen Währungen bauen nämlich alle auf der sogenannten Block-Chain-Technologie auf und als IT-Techniker war das für mich äußerst interessant. Dieser Antrag fand aber (damals hätte ich leider gesagt) glücklicherweise keine Mehrheit, weil die Schwankungsbreite, so das Argument der Mehrheit des Gemeinderates, zu hoch ist um eine solche Währung aktiv als Stadt nach Villach zu holen und damit die Spareinlagen der Villacher Bevölkerung zu riskieren. Wie gesagt, meine Intention war es eine Währung nach Villach zu holen, die weltweit einsetzbar ist und die nicht über die internationalen Banken funktioniert. Ich wollte Villach ein Stück weit unabhängiger machen. Das war die Idee.

Teure Hardwarekosten für die Umwelt

Etwa ein Jahr später, nahm der Bitcoin so richtig fahrt auf. Viele kleine Miner (so heißen die Menschen die den Bitcoin errechnen lassen bzw. „schürfen“) haben angefangen Bitcoins zu schürfen. Als IT-Techniker bemerkte ich das recht schnell, weil der Preis für Computerhardware beinahe sprunghaft anstieg. Es passierte etwas, was man sich so nicht vorstellen konnte. Ältere Hardware, vor allem Arbeitsspeicher und Grafikkarten die zur Errechnung von Bitcoins benötigt werden, gewannen an Wert! Das heißt die Obsoleszenz-Spirale wurde aufgehoben. Normalerweise – so heißt es im Scherz – ist ein Computer, wenn ich ihn gekauft habe, schon wieder veraltet. Und auf einmal ist ein vermeintlicher „alter PC“, wieder etwas wert! Der Grund dafür war der Mangel an neuer Hardware. Diese Miner kauften alles am IT-Markt zusammen, was man für Server-Farmen (also ein Zusammenschluss von Computern zum Schürfen von Bitcoins) brauchen kann. Bitcoins lohnten sich insofern, dass man obwohl man einiges investieren musste, sich die Ausgaben aufgrund der steigenden Nachfrage in kürzester Zeit amortisiert haben. Es begann die Spekulationsphase auf Bitcoins. Bitcoins wurden immer mehr von den Menschen nachgefragt – also eben auch von den Schichten die ich mit einem Bitcoin-Automat ansprechen wollte – und dadurch stieg nicht nur der Wert von Bitcoins sondern auch der Preis von Grafikkarten und Arbeitsspeicher.

Gewinner und Verlierer

Das gefiehl mir in sofern gar nicht, weil ich mich in dieser Zeit auch selbständig gemacht habe, im Bereich der Reparatur von Computern. Es wurde – was es ohnehin schon fast war – unlukrativ alte Hardware weiter zu betreiben. Das aber war genau mein Konzept. Ich wollte und will Hardware solange als möglich im Einsatz belassen, weil ja jeder weiß unter welchen umweltschädlichen Umständen die Rohstoffe für diese Geräte geschürft werden und unter welchen unmenschlichen Umständen die Hardware zusammengebaut und zu uns verschifft wird. Hier wollte ich mit meinern Kleinstunternehmen ansetzen. Nun hat sich die Lage aber so drastisch verschlechtert, dass nicht einmal mehr gebrauchte Hardwareteile gekauft werden konnte, um Hardware am Leben zu halten, weil die Miner eben diese für ihre Serverfarmen brauchten. Alte Grafikkarten und RAM-Speicher wurden unverschämt teuer, neue Exemplare wurden beinahe unleistbar und waren gar nicht erst lieferbar. Die Einzigen die von dieser Bitcoin-Beliebtheit profitieren, sind die Grafikkarten&RAM-Hersteller und (das wissen die Wenigsten) die Laptop und Fertig-PC-Hersteller. Die Produzenten die Komplettsysteme verkauften und verkaufen, haben nämlich das Glück über bestehende Lieferverträge mit Arbeitsspeicher- und Grafikkarten-Herstellern an ihre Bauteile zu moderaten Preisen zu kommen. Dieser Umstand hatte dadurch auch zur Folge, dass viele Konsumenten bei Hardware-Problemen gleich zu einem neuen PC griffen und sich dadurch die Elektroschrott-Produktion noch schneller vervielfachte.

Verheizung des Lebensraumes Erde

Neben diesen Phänomen des massiven Elektroschrottzuwachs tragen Bitcoins, wegen ihrer unglaublichen Nachfragesteigerung, auch zum Anheizen des Klimas bei.

Nicht nur Hardware wurde und wird von den Minern gekauft. Zum Betrieb von großen Severfarmen ist auch Energie nötig. Dieser Strom der für die Errechnung von Bitcoins verwendet wird, so ist die wirtschaftliche Logik, wird natürlich so kostengünstig wie möglich zugekauft. Das führt dazu, dass sich in Ländern wie der Mongolei, in denen die Strompreise erstaunlich niedrig sind, viele Bitcoin-Serverfarmen angesiedelt haben. In vielen Bereichen dieser Erde gingen wieder Kohlekraftwerke ans Netz die zuvor nicht mehr gebraucht wurden und bestehende Kraftwerke mussten ihre Verstromung von fossilen Brennstoffen noch erhöhen! Also wuchs neben der Nachfrage zu Bitcoins auch die Nachfrage von Strom, was zur Erhöhung der CO²-Emissionen führte. Und was bei mehr CO² in der Atmosphäre passiert, muss ich glaub‘ ich nicht extra erklären.

Alles für die Idee

Das Ganze muss man sich mal vorstellen. Eine erdachte Währung, etwas immaterielles, wird hergestellt, mit Materialien der echten Welt. Wir Menschen opfern sehenden Auges, unseren realen Planeten und das Leben vieler Miterdenbürger, für etwas unreales, für etwas nicht greifbares. Überspitzt gesagt, wir Verheizen uns selbst für eine Idee. Denn nichts anderes ist es, es ist eine mathematisch gut formulierte Idee von Geld.

Dieses System will ich nicht mehr unterstützen und daher wird es von mir keinen Antrag zu Bitcoins und auch keine Unterstützung von solchen geben.

Danke für‘s Lesen.

Alles Liebe,
René M. Kopeinig

Anträge: Silvester feiern, statt Unglück befeuern

25.073 Quadratmeter “Grau statt Grün”

Ein Kommentar von Sascha Jabali zur heutigen Gemeinderatssitzung:

Es ist zwar grundsätzlich erfreulich und sehr zu begrüßen, dass nun auch andere Fraktionen des Gemeinderates erkannt haben, dass der nachhaltige Umgang mit dem Planeten – nach Jahrzehnten der großflächigen Zerstörung
– DAS zentrale Thema unserer Gegenwart und Zukunft ist.
“Grün statt Grau” ist der Slogan mit dem in Villach geworben und um die “Themenführerschaft” wettgeeifert wird.

Weniger erfreulich ist allerdings, dass diesen vollmundigen
Ankündigungen bislang kaum ernst zu nehmende Taten folgten – im Gegenteil! Obwohl erst in der vergangenen Gemeinderatssitzung am 28.09.2018, auf Antrag der Grünen und Verantwortung Erde hin, einstimmig beschlossen wurde, dass Villach zur “Bodenbündnis-Gemeinde” wird und sich somit unter anderem aktiv um eine Trendumkehr (!) in der Frage des Bodenverbrauchs bemüht, stehen in der kommenden Gemeinderatssitzung abermals mehrfach Umwidmungen von Grünland in Bauland zur Debatte.

Insgesamt werden seitens der Stadtregierung alleine in dieser Sitzung unglaubliche 25.073 Quadratmeter Grünraum, die bislang für die Forst- und Landwirtschaftliche Nutzung bestimmt waren, zur Umwidmung vorgeschlagen.
Wo derzeit noch Wald und Wiese der Landwirtschaft und als Kohlenstoffspeicher dienen, sowie vielen Tieren und Kleinstlebewesen Lebensraum bieten, soll, wie auch in unzähligen Fällen davor, gerodet und versiegelt werden. Und das, obwohl mittlerweile in nahezu allen Bereichen der Gesellschaft vor den verheerenden Folgen der Entwicklung des Bodenverbrauchs gewarnt wird.

Endloses Wachstum auf begrenztem Raum ist nicht möglich – dies gilt auch für Villach.

Verantwortung Erde wird den vorgeschlagenen Umwidmungen daher keine
Zustimmung erteilen, sondern ersucht die anderen Fraktionen des Gemeinderates darum, endlich ernst gemeinte Initiativen und Maßnahmen, wie den vorübergehenden Umwidmungsstop, zuzulassen und
umzusetzen. Es braucht dringend einen Moment des Innehaltens, der Reflexion und der Neuausrichtung anstatt ungebremst die Lebensgrundlagen gegenwärtiger und zukünftiger Generationen langfristig zu zerstören.

“Es liegt in unser aller Hand zu retten, was noch zu retten ist und unsere Bewegung steht für jederlei Zusammenarbeit, die dieses Ziel verfolgt, zur Verfügung. Wir werden uns aber auch weiterhin nicht von “Marketing-Strategien” und “Green-Washing” blenden lassen, sondern genau darauf achten, was von den Slogans und Überschriften auch tatsächlich bleibt und in die Tat umgesetzt wird”

P. S.: Auf den Bildern ist jene Zerstörung zu sehen, die durch Umwidmungen zugunsten wirtschaftlicher Interessen in den vorangegangenen Sitzungen des heurigen Jahres bereits beschlossen und “umgesetzt” wurden. Die 25.073 m² die in der heutigen Sitzung zur Debatte stehen sind da noch nicht dabei….

Den einstimmig beschlossenen Antrag zur “Bodenbündnis-Gemeinde” findet ihr hier:

https://www.verantwortung-erde.org/…/Selbst%C3%A4ndiger_Ant…

Unseren Vorschlag zu einem vorübergehenden Umwidmungsstop hier:

https://www.verantwortung-erde.org/…/Selbst%C3%A4ndiger_Ant…