Politischer Jahresrückblick 2019

Auch im politischen Bereich unserer Bewegung ist 2019 einiges geschehen…

Die Themen „Umwelt“ und „Klima“ waren im Jahr 2019 wahrlich in aller Munde.

Zwar waren die politischen Mehrheitsverhältnisse auch heuer noch (!) nicht dazu bereit, umfassende und tiefgreifende Maßnahmen zu setzen, um eine dringend notwendige Trendumkehr, in der bereits ausgeuferten Umweltzerstörung einzuleiten, dennoch zeigte das Engagement von Millionen junger Menschen weltweit und auch in Villach Wirkung: Die Themen Klima- und Umweltschutz sind im politischen Mainstream angekommen. Derzeit vor allem noch sehr oberflächlich, in Form von Ankündigungen und Jubelmeldungen, aber immerhin.

Green Washing

Es wird unser aller gemeinsame Aufgabe sein, den Villacher Gemeinderat immer wieder daran zu erinnern, den Lippenbekenntnissen auch Taten folgen zu lassen und ihnen somit Substanz zu verleihen. Begrünte Bushaltestellen sind eine nette Idee, um das Leben in der Stadt an den Klimawandel anzupassen. Solange jedoch zeitgleich durch Gemeinderatsentscheidungen jährlich 10.000e Quadratmeter lebendiger Wiesen umgewidment, versiegelt und nachhaltig zerstört werden, können wir die Bestrebungen der Stadtregierung in diesen Bereichen leider nicht ernst nehmen. Diese Strategien finden aktuell weite Verbreitung und werden unter dem Begriff “green washing” zusammengefasst. Auch dies gilt es klar zu benennen und sichtbar zu machen. Es gibt viel zu tun und dabei gilt es sich nicht von Marketing-Maßnahmen seitens der Stadtregierung den Blick trüben zu lassen – dafür ist dieses Thema zu ernst und zu wichtig.

Große Würfe

Um dem Wunsch der jüngsten Generation nach einer lebenswerten Zukunft gerecht zu werden, braucht es unseres Erachtens ein klares Bekenntnis zu einer neuen Prioritätensetzung, sowie ernsthafte Bemühungen für große Themenfelder wie das Anstreben der Ernährungssouveränität, oder den freien, öffentlicher Verkehr. Mit dem Vorschlag zur freien, eigenverwalteten Grundversorgung versuchen wir die Diskussion um eine vom Wachstum gezwungenen Wirtschaftssystem möglichst unabhängige und lokale Versorgung unserer Grundbedürfnisse in Gang zu bringen. Es macht zwar den Eindruck, dass es noch dauern könnte, bis diese Themen ernsthaft diskutiert werden, doch der Grundstein ist gelegt. Aus unsere Sicht ist die Entkopplung unserer Grundbedürfnisdeckung von globalen Warenströmen das zentrale Thema auf dem Weg in eine lebenswerte Zukunft. Die Erfahrung, wie mit unseren Hinweisen und Vorschlägen in der Vergangenheit umgegangen wurde, stimmt uns jedenfalls hoffnungsvoll, dass der Villacher Gemeinderat sich – hoffentlich früher als später – auch schon bald diesen Themen widmen und unsere Anregungen aufnehmen wird. Denn während es dort noch vor nicht all zu langer Zeit hieß, dass unsere Gedanken und Ideen “nicht von dieser Welt” wären, werden mittlerweile viele unserer, zuerst abgelehnten, Vorschläge mit den Logos anderer Fraktionen versehen und nun doch umgesetzt – sie sind also gar nicht mehr so „außerirdisch“….

Rückblick

Dementsprechend begann unser politisches Jahr auch mit mehreren guten Nachrichten:

Mehrwegbecher

Anfang Feber wurde bekanntgegeben, dass unsere Anregung, bei Großveranstaltungen auf Einwegplastik zu verzichten und stattdessen auf Mehrweg-Systeme zurückzugreifen, umgesetzt wird. Alleine am Villacher Kirchtag konnten durch diese Maßnahme rund 10 Tonnen Plastikmüll vermieden werden.

Feuerwerk

Es wurde heuer beim Kirchtag auch erstmals auf ein Feuerwerk verzichtet und auch zu Silvester gibt es in Villach statt einem Feuerwerk ein Alternativprogramm mit Live-Musik. Dieser Entscheidung ist ebenfalls ein Erde-Antrag vorausgegangen. Wir konnten also zusammengefasst dazu beitragen, die Großereignisse in unserer Stadt nachhaltig zu verändern. 🙂

Stadtmediathek

Ebenfalls Anfang Feber wurde, nach mehreren Jahren und unzähligen Diskussionen, endlich beschlossen, dass neben der Live-Übertragung der Gemeinderatssitzungen auch eine Mediathek eingerichtet wird, um sich die Sitzungen auch im Nachhinein ansehen zu können. Ein Meilenstein in der Frage der transparenten Nachvollziehbarkeit der politischen Entscheidungsfindung im Gemeinderat, für den wir uns lange eingesetzt haben und über den wir uns dementsprechend freuen.

E-City-Bus

Schon im Oktober 2017 haben wir gemeinsam mit anderen Fraktionen einen Antrag für einen elektrisch betriebenen City-Bus eingebracht. Im Oktober 2019 wurde dann angekündigt, dass diese Forderung umgesetzt wird und ab 2. Jänner 2020 ein kostenlos nutzbarer E-City-Bus in Villach seine Runden dreht. Wir freuen uns sehr über diese Entwicklung und sehen dies auch als ersten, wichtigen Schritt in Richtung “freier öffentlicher Verkehr”, für den wir uns seit dem Wahlfrieden 2015 einsetzen.

Umweltfreundliches Mitteilungsblatt

Bereits zu Jahresbeginn wurde bekanntgegeben, dass das Mitteilungsblatt künftig neben neuem Aufbau und Layout auf umweltfreundliche(re)m Papier gedruckt und somit einem Vorschlag nachgekommen wird, den wir schon in der ersten Sitzung dieser Gemeinderatsperiode 2015 eingebracht haben.

Notschlafstelle

Auch was die Obdachlosigkeit in unserer Stadt betrifft, ist, seitdem wir vor zwei Jahren auf eine fehlende Notschlafstelle aufmerksam gemacht haben, einiges geschehen. Zwar gibt es in Villach noch immer keine niederschwellige Notschlafstelle, doch mittlerweile wurden (immerhin) sogenannte “Notschlafzimmer”, sowie ein ganzjähriges Kältetelefon eingerichtet. Auch die Aufmerksamkeit konnte nachhaltig auf dieses Thema gelenkt werden: Während es jahrelang hieß, in Villach gäbe es keine Obdachlosigkeit, wird mittlerweile im Mitteilungsblatt, auf Leuchttafeln, in Bushaltestellen und in sozialen Medien auf das „Angebot“ rund um das Kältetelefon hingewiesen. Diese Entwicklung ist zu begrüßen, wenngleich noch viel zu tun ist und wir alle auch aufgefordert sind, mit offenen Augen durch unsere Stadt zu gehen. Wir werden uns jedenfalls weiterhin für eine möglichst niederschwellige Hilfestellung für von Obdachlosigkeit betroffenen Menschen in Villach einsetzen.

Erdwechsel

Einen schönen, vorläufigen Abschluss seiner Tätigkeit als “ordentlicher Gemeinderat” gab es für René Kopeinig. Nach 18 Monaten und vielen Anträgen, Anfragen und Wortmeldungen übergibt er dort wieder an Sascha Jabali und wird unser “Politik-Team” als Ersatzgemeinderat weiterhin tatkräftig unterstützen. Auf Renés Initiative hin wurde in seiner vorerst letzten Sitzung der Antrag zur “Weihnachtschance” von allen Fraktionen eingebracht und einstimmig beschlossen. Es wird also in Villach künftig eine Möglichkeit geben, lebende Christbäume selbst auf einem Grundstück der Stadt Villach einzusetzen oder den Baum beim Stadtgarten abzugeben, der dann die Pflanzung übernimmt.

Ein gebührende Abrundung der engagierten 1 1/2 Jahre mit unserem “GemeindePIRATEN” 🙂

Anträge & Anfragen

Es würde den ohnehin bereits sehr weit gefassten Rahmen sprengen, auf alle durch Verantwortung Erde angeregten Maßnahmen und Veränderungen bzw. auf alle neuen Anträge im Jahr 2019 einzugehen. Daher noch möglichst kurz:

Insgesamt haben wir im Jahr 2019 23 Anträge, 22 Anfragen und unzählige Ideen, Impulse und Diskussionsbeiträge in die Villacher Stadtpolitik eingebracht.

Die Anträge reichen vom „Grundsatzbeschluss Villach autofrei“ über den Paracelsusgarten oder den „Gestaltungsbeirat“, in welchen der bisherige Architekturbeirat weiterentwickelt werden soll, bis hin zu „Villach Pflückt“ – einer Online-Map für essbare Bäume und Orte in Villach. Einige dieser Vorschläge bauen auf Anträgen aus den Vorjahren auf und sind daher im Zusammenhang zu verstehen.

Alle Anträge und Anfragen in voller Länge findet ihr auf unserer Homepage.

Landeserde

Zwei mal waren wir auch heuer wieder in den Ausschuss für “BürgerInnenbeteiligung, direkte Demokratie und Petitionen” eingeladen und durften dort dem Kärntner Landtag gemeinsam mit allen anderen nicht im Landtag vertretenen Gruppierungen, die zur Landtagswahl 2018 angetreten sind, einige Vorschläge und Ideen unterbreiten.

Nachdem wir in den ersten beiden Ausschuss-Sitzungen Vorschläge zu den Themen Mobilität (Freier, öffentlicher Verkehr, Mitfahrerbänke usw.), Ernährungssouveränität (Essbares Kärnten) und Raumordnung eingebracht haben, brachten wir im Herbst 2019 unsererseits die Themen “Demokratie-Reform” und die Vergabe öffentlicher Aufträge auf die Tagesordnung.

Besonders beeindruckt sind wir vom Klima der Zusammenarbeit auf Landesebene, die stets konstruktiv und auf Augenhöhe stattfindet. Eine Basis, die auch in Villach wünschenswert wäre.

Zusammenfassung

Zusammengefasst sehen wir auf der politischen Ebene kleine positive Schritte, die Grund zur Freude geben. Die großen Würfe im Bereich der Nachhaltigkeit blieben jedoch, leider auch in diesem Jahr, aus. Während einige Initiativen wirklich zu begrüßen sind, gilt es darauf zu achten, dass es nicht bei diesen kleinen, ersten Schritten bleibt, während zugleich versucht wird, alte Glaubenssätze und Prioritätensetzungen mit einem „nachhaltigen Anstrich“ zu versehen und somit weiter fortzusetzen. Wir möchten die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen nicht „grüner“ gestalten, sondern beenden. Um diese Grundvoraussetzung für eine lebenswerte Zukunft werden wir uns auch 2020 ebenso bemühen, wie um weitere, konstruktive Vorschläge für ein lebendigeres Villach.

Heidi Lehner und Eske Bockelmann zu Besuch in Villach

Im Sommer 2019 besuchten uns Heidi Lehner und Eske Bockelmann für einige Tage in Villach.
Heidi Lehner ist die Geschäftsführerin der Sunflower Foundation in Zürich, die dort unter anderem das MoneyMuseum betreibt. Diese Stiftung hat sich zur Aufgabe gemacht, über die „kulturellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Hintergründe, Zusammenhänge und Veränderungen von Geld zu informieren“. Und deshalb unterstützt sie auch die Arbeit von Eske Bockelmann. Er arbeitet als Professor in Chemnitz, ist Philologe, Philosoph und unter anderem Autor des Buches „Im Takt des Geldes – zur Genese modernen Denkens“.
Dieses bahnbrechende Buch war vor einigen Jahren der Anlass dafür, dass wir Heidi und Eske kennengelernt haben. Wir hatten uns zum Ziel gesetzt, geldfreie Kreisläufe zu entwickeln und so ein geldfreies Leben zu ermöglichen. Doch bevor wir begannen danach zu handeln, haben wir uns zunächst eingehend theoretisch mit der Frage auseinandergesetzt, weshalb wir als Menschheit derzeit unsere Lebensgrundlagen, weshalb wir diese wunderbare Welt und weshalb wir uns jeweils selbst und gegenseitig systematisch zerstören. Dabei war unsere Schlussfolgerung im Wesentlichen, dass es das Geld und seine Logik sind, die uns in dieser Richtung bestimmen und die uns nachgerade zwingen in solcher Weise mit unserer Welt umzugehen. Daher steht für uns fest, was wir in unserem Zusammenleben (in einer Post-Wachstum-Gesellschaft) künftig vermeiden und uns ersparen wollen.Eskes Werk untermauert unsere Analyse und zählt zu den gedanklichen Grundlagen unseres Vorhabens einer „Freiheit vom Geld“.
Wir haben uns deshalb mit Heidi und Eske getroffen und daraus hat sich schnell Freundschaft entwickelt. Wenn wir einander besuchen, dann auch deshalb, weil wir die gemeinsame Zeit sehr genießen. Aber natürlich tauschen wir uns jeweils vor allem über unsere Vorhaben und deren größere Zusammenhänge aus und planen gemeinsame Projekte.


Dieses Mal sprachen wir über Eskes neues Buch, das im Frühjahr 2020 veröffentlicht werden soll und von dem uns ein vorläufiger Teilabdruck vorlag. Es wird heißen: „Das Geld. Was es ist, das uns beherrscht“. Außer Antworten auf unsere Fragen gewährte uns Eske auch einen Einblick in jene Teile des Buches, die wir noch nicht kennen. Er beschreibt dort zunächst die lange Zeit, in der es auf der Welt noch nicht mit Geld zugegangen ist. Dann wird in dem Buch zum ersten Mal triftig erklärt, wie es historisch überhaupt zu Geld gekommen ist. Und dadurch kann zum ersten Mal auch bestimmt werden, was Geld wirklich ist. Denn das ist eine Frage, die bis heute niemand richtig zu beantworten wusste. Mit ihrer Beantwortung aber klärt sich auch, auf welche Weise das Geld seine weltbeherrschende Wirkung erlangt – so dass sich die Menschen gezwungen sehen, diese Welt so zu behandeln, wie wir von Verantwortung Erde sie nicht mehr behandeln wollen. Das Buch ist also eine Analyse des Gewesenen und der Gegenwart und so bereitet es uns auf eine Vision für die Zukunft vor. Die zu entwickeln sieht Eske nicht als die Aufgabe eines Einzelnen an und nicht als die Aufgabe einer Gruppe. Dieses Kapitel des Buches werden wir vielmehr alle gemeinsam schreiben.

Heidi erzählte uns von einer umfassenden Umgestaltung des Money-Museums in Zürich und berichtete von anderen Projekten, die sie mit der Sunflower Foundation begleitet.
Auch ein Besuch in unseren Gärten stand auf dem Programm, deren Üppigkeit schön sichtbar macht, wie gut sich geldfreie Kreisläufe entwickeln. Der nächste Schritt, den wir uns vorgenommen haben, ist die Schaffung von geldfreien Wohnmöglichkeiten. Daran arbeiten wir derzeit vornehmlich.
In den gemeinsamen Tagen ist auch die Idee entstanden, gemeinsam ein Buch zu erarbeiten. Es soll unsere praktischen Erfahrungen bei dem Versuch darstellen, Kreisläufe jenseits des Geldes zu entwickeln. Es soll einen Vorgeschmack davon geben, wie ein Leben und Zusammenleben nach einem Ende unseres auf Geld verpflichteten Wirtschaftssystems gelingen kann. Was das betrifft, halten wir euch natürlich weiter auf dem Laufenden.
Wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit mit Heidi und Eske und sind gespannt, welche Früchte sie noch tragen wird.
Ein Video mit Eske findet ihr hier:

Einen Einblick in die Forschung der Sunflower Foundation findet ihr hier:

https://www.sunflower.foundation/de/forschung

René Kopeinig und Sascha Jabali wechseln im Gemeinderat die Plätze

Unser René hat nun für eineinhalb Jahre im Villacher Gemeinderat der Erde eine Stimme gegeben und viele Erfahrungen im politischen Geschehen gesammelt. Wir bedanken uns herzlich für deine konstruktiven Ideen, deine humorvolle Leichtigkeit und den kühlen Kopf, den du in jeder Situation bewahrt hast.

Nun ist wieder unser Sascha an der Reihe. Er will sich nach eineinhalb Jahren der Organisation von Projekten, vielen neuen Erfahrungen in der praktischen Umsetzung und intensiver Vernetzung mit anderen Initiativen wieder der Stadtpolitik und der Lebensraumgestaltung widmen.

Wir freuen uns darauf weiter in allen Lebensbereichen zu wandeln und darauf die Segel neu zu setzen.

#VillachImWandel #ErdeImWandel #ErdeimGemeinderat

Rochade

Heute gibt es einen Wechsel im Gemeinderat!Unser René hat nun für eineinhalb Jahre im Villacher Gemeinderat der Erde eine Stimme gegeben und viele Erfahrungen im politischen Geschehen gesammelt. Wir bedanken uns herzlich für deine konstruktiven Ideen, deine humorvolle Leichtigkeit und den kühlen Kopf, den du in jeder Situation bewahrt hast. Nun ist wieder unser Sascha an der Reihe. Er will sich nach eineinhalb Jahren der Organisation von Projekten, vielen neuen Erfahrungen in der praktischen Umsetzung und intensiver Vernetzung mit anderen Initiativen wieder der Stadtpolitik und der Lebensraumgestaltung widmen.Wir freuen uns darauf weiter in allen Lebensbereichen zu wandeln und darauf die Segel neu zu setzen. 🙂 #VillachImWandel #ErdeImWandel #ErdeimGemeinderat

Gepostet von Verantwortung Erde am Dienstag, 3. Dezember 2019