Warum Maria Gail eine Verkehrsberuhigung braucht
Maria Gail ist ein lebendiger Stadtteil Villachs – doch der Durchzugsverkehr belastet die Anwohner:innen seit Jahren. Lärm, hohe Geschwindigkeiten und fehlende Sicherheit für Fußgänger:innen, Radfahrer:innen und vor allem Kinder prägten den Alltag. Unser Verkehrsreferent Sascha Jabali hat gemeinsam mit dem renommierten Verkehrsplanungsbüro Rosinak & Partner ein Konzept entwickelt, das Anrainer:innen schützt und den Durchzugsverkehr unattraktiver macht – ohne dabei den Individualverkehr komplett zu verbieten. Im Mittelpunkt stehen gelbe Bodenmarkierungen und Poller, die die Straße optisch verengen und die Aufmerksamkeit der Autofahrer:innen erhöhen.
Doch wie kam es zu dieser Lösung? Welche Alternativen wurden geprüft?
Der Prozess: Bürger:innen-Beteiligung als Erfolgsfaktor
Selten wurde ein Verkehrsprojekt in Villach so intensiv mit den Betroffenen abgestimmt wie in Maria Gail. Zwei große Dialogveranstaltungen, Einzelinterviews mit Anwohner:innen und die Zustimmung von Gemeinderat und Planungsausschuss unterstreichen: Hier wurde nicht über, sondern mit den Menschen vor Ort entschieden.
Die Ziele der Maßnahmen
- Schutz der Anrainer:innen: Vor allem schwächere Verkehrsteilnehmer:innen (Kinder, Fußgänger:innen, Radfahrer:innen) sollen sicherer unterwegs sein.
- Verlagerung des Durchzugsverkehrs: Die Abstimmungsstraße soll für Ortsfremde weniger attraktiv werden – ohne sie komplett zu sperren.
- Keine Verbote, aber mehr Aufmerksamkeit: Die gelben Punkte und Poller ersetzen keine Schilder, sondern verändern die Wahrnehmung der Straße. Sie signalisieren: Hier ist Vorsicht geboten.
Die Maßnahmen im Detail: Warum gelbe Punkte und Poller?
1. Gelbe Bodenmarkierungen: Wirksamkeit wissenschaftlich belegt
Ja, die Markierungen wirken auf den ersten Blick ungewöhnlich. Aber genau das ist der Punkt:
„Aufmerksamkeit ersetzt Routine.“
Die kurze Irritation ist kein Nebeneffekt, sondern Teil des Konzepts. Studien belegen: Wer genauer hinschaut, fährt langsamer – und das rettet Leben.
- Kuratorium für Verkehrssicherheit (Niederösterreich): Eine Pilotstudie zeigte, dass farbige Markierungen die Geschwindigkeit nachhaltig senken und Unfälle mit Fußgänger:innen und Radfahrer:innen reduzieren.
- US-Studie („Asphalt Art Safety Study“): An 22 Standorten wurde nachgewiesen, dass solche Maßnahmen in Kombination mit Pollern die Sicherheit erhöhen und die Fahrgeschwindigkeit dauerhaft verringern.
Wie funktioniert’s?
Die Markierungen brechen gewohnte Fahrmuster. Die Straße wirkt enger, weniger „durchfahrbar“. Autofahrer:innen werden aufmerksam – und das erhöht die Sicherheit für alle.
2. Poller: Punktuelle Verengung für mehr Sicherheit
Die Poller werden so platziert, dass:
- Alle zugelassenen Fahrzeuge (inkl. landwirtschaftliche Maschinen und Einsatzfahrzeuge) durchkommen.
- Gegenverkehr zum Anhalten gezwungen wird, um sichere Überquerungsmöglichkeiten für Fußgänger:innen zu schaffen.
- Kinder und Radfahrer:innen geschützte Bereiche erhalten.
Warum keine Bodenschwellen?
In Villach werden Bodenschwellen seit Jahren nicht mehr eingesetzt – aus guten Gründen:
- Einsatzkräfte (Feuerwehr, Rettung) werden unnötig ausgebremst.
- Winterdienst hat Probleme mit der Räumung.
- Lärmbelastung: Nach der Schwelle wird oft wieder beschleunigt – was Anrainer:innen stört.
Alternativen: Was wurde geprüft – und warum es nicht umsetzbar war
Nicht alle Wünsche waren realisierbar. Das Verkehrsplanungsbüro prüfte mehrere Optionen, darunter:
- Baulich getrennte Geh- oder Radwege: Derzeit nicht umsetzbar, da die Straßen in diesem Bereich zu eng sind. Hierfür müssten viele Grundstückseigentümer Flächen abgeben, was nicht ausgeschlossen, aber auch nicht kurzfristig realisierbar ist.
- Fahrverbot für Nicht-Anrainer:innen: Rechtlich nicht durchsetzbar, da der Ausschluss der Öffentlichkeit von einer mehreren Kilometer langen Straße eine sehr drastische Maßnahme wäre – und die rechtliche Grundlage fehlte.
„Das ist eine Veräppelung!“ – Warum manche unzufrieden sind
Nicht alle sind begeistert. Wir nehmen diese Kritik ernst – betonen aber auch:
- Die Maßnahme ist noch nicht fertig: Die Poller, die für die volle Wirkung sorgen, wurden noch nicht montiert. Warum? Das fragen wir uns auch und muss vom zuständigen Baureferenten Harald Sobe beantwortet werden.
- Durchzugsverkehr soll irritiert sein: Das ist absichtlich so gewollt. Wer nicht aus Maria Gail kommt, soll die Straße meiden.
- Positive Rückmeldungen: Viele Anrainer:innen bedanken sich, dass endlich gehandelt wird. Andere Stadtteile wünschen sich bereits ähnliche Lösungen.
Wissenschaft vs. Bauchgefühl: Warum die Maßnahmen trotzdem richtig sind
Ja, die Markierungen wirken auf den ersten Blick ungewöhnlich. Aber genau das ist der Punkt:
„Aufmerksamkeit ersetzt Routine.“
Die kurze Irritation ist kein Nebeneffekt, sondern Teil des Konzepts. Studien belegen: Wer genauer hinschaut, fährt langsamer – und das rettet Leben.
Ausblick: Evaluation und mögliche Anpassungen
Die Stadt Villach wird die Situation laufend beobachten. Sollten sich nach einer Eingewöhnungsphase noch Probleme zeigen, sind Nachbesserungen möglich. Doch eines ist klar:
„Oberstes Ziel bleibt der Schutz der Anrainer:innen – besonders der Kinder, Fußgänger:innen und Radfahrer:innen.“
(Stadtrat Sascha Jabali Adeh, Verkehrsreferent)