Neue Nummer für das „Kältetelefon“: 0463 39 60 60

Wie ihr euch vielleicht erinnern könnt, haben wir uns im Vorjahr vehement für eine Erwachsenen-Notschlafstelle in Villach eingesetzt. Auslöser hierfür war die Situation, dass über Wochen und Monate hinweg immer wieder Menschen unter unserer Laube Zuflucht gesucht haben um dort zu übernachten. Gesprächsversuche unsererseits mit der Stadt Villach blieben erfolglos. Wir empfanden es daher als unsere Pflicht, unsere Möglichkeiten auszuschöpfen, um diesem Thema die Aufmerksamkeit zu verschaffen, die es verdient.

Wir haben vorgeschlagen, unter Einbeziehung der Expertise jener auf diesem Gebiet tätigen Vereine sowie der Bedürfnisse der Betroffenen selbst, eine niederschwellige, bedürfnisgerechte Notschlafstelle einzurichten. Eine solche Einrichtung gibt es in unzähligen anderen, unter anderem weitaus kleineren, Gemeinden Österreichs.

Der Wirbel war groß, die Temperaturen sanken tief, und auch die politische Debatte passte sich dem Wetter an – so wurde gegen eine Erwachsenen-Notschlafstelle beispielsweise damit argumentiert, dass es sich bei den um Zuflucht suchenden Menschen um „Betteltouristen“ handle. Obwohl unsere direkten, persönlichen Erfahrungen dem widersprechen, ist es für uns nicht von Bedeutung, welche Berufung oder Herkunft ein Mensch hat. Kein Mensch soll in Villach bei winterlichen Verhältnissen ohne Obdach in Güterwagons, Tiefgaragen, unter Brücken, auf Parkbänken oder unter unserer Laube übernachten müssen.

Im Gemeinderat gab es leider keine Mehrheit für unseren Vorschlag. Dennoch kam durch Druck aus der Bevölkerung und der großen, medialen Aufmerksamkeit Bewegung in diese Thematik:

Jahrelang hieß es seitens der Stadtregierung, dass es in Villach überhaupt keine Menschen gäbe, die von Obdachlosigkeit betroffenen wären. Dieses Märchen wurde mit der (verpflichtenden) Antwort auf eine parlamentarische Anfrage entzaubert, in der uns vom Magistrat der Stadt mitgeteilt wurde, dass im Juli 2017 vierundzwanzig Menschen und im September des selben Jahres siebzehn Menschen in Villach als obdachlos gemeldet (!) waren. Von da an war es also „amtlich“.

Ein wichtiger Schritt; denn die Voraussetzung, um eine Problematik überhaupt lösen bzw. Menschen helfen zu können, ist es, ihre Existenz anzuerkennen.

Als Folge dieser Debatte wurde dann doch noch reagiert und ein „Notfallplan” entwickelt und umgesetzt. So gibt es seither in Kooperation mit der Caritas und dem Samariterbund eine neue, Villacher Variante des „Kältetelefons“ (bis dahin nur in Klagenfurt), auf welches im Mitteilungsblatt, im Internet und sogar auf Werbe-Leinwänden aktiv hingewiesen wird.

Auch „Notschlafzimmer“ wurden eilig eingerichtet, in denen die über das Kältetelefon hilfesuchenden Menschen zumindest für eine Nacht, in manchen Fällen für mehrere Nächte, Unterschlupf finden.Dass dies dem tatsächlichen Bedarf der Betroffenen gerecht wird, glauben wir nicht. Wichtig ist jedoch, dass erreicht werden konnte, dass die betroffenen Menschen in ihrer Notsituation einen warmen Schlafplatz bekommen – eine dauerhafte, niederschwellige und bedürfnisgerechte Notschlafstelle muss jedoch wohl auf neue Mehrheitsverhältnisse im Villacher Gemeinderat warten.

Überhaupt wurde das Gesellschafts-Bewusstsein für Obdachlosigkeit in unserer Stadt durch die breite Diskussion im Vorjahr sensibilisiert. Ein Zustand, den es ebenso wie die gemachten Fortschritte, zu erhalten und im besten Falle auszubauen, gilt. Es liegt daher an uns allen, weiterhin aufmerksam zu sein und darauf hinzuweisen, wenn wir Missstände beobachten. Das ist wohl die Voraussetzung dafür, dass künftig in Villach niemand auf der Straße schlafen muss – denn mit der Versorgung von obdachlosen Menschen sind keine Wahlen zu gewinnen. Es braucht die wachsamen Augen und die mutigen Stimmen aus der Bevölkerung, die nicht müde werden, die Hilfestellung für betroffene Menschen einzufordern und das Wort zu erheben, wenn dies nicht geschieht.

Daher bitten wir euch: Speichert die neue Nummer des Kältetelefons – 0463 39 60 60 – in euer Handy ein, schickt sie auch an Freunde und Bekannte weiter und zögert nicht, eure Hilfe anzubieten, wenn ihr jemanden in einer Notlage beobachtet. Danke!

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