Menschen schlafen in Villacher Kellern – Wegsehen der Politik ist nicht mehr tragbar
Armut verschwindet nicht, wenn wir wegsehen. Verantwortung ERDE lädt die Stadt ein, noch vor dem Winter ein Notquartier für Erwachsene zu schaffen: anonym, geldfrei und ohne Hürden.
„Wer schläft denn da in meinem Keller?“, titelt die Villacher Bezirkszeitung diese Woche. Ein Hausbesorger der Stadt berichtet von Menschen, die im Herbst und Winter in fremden Kellern und auf Dachböden nächtigen, mit Decken und Pölstern aus dem Nachbarabteil. Die Polizei führt sie ab.
„Das ist keine Kriminalgeschichte, das ist Armut mitten in Villach. Wer bei Minusgraden in einen fremden Keller kriecht, sucht keine Beute, sondern Wärme und ein Dach über dem Kopf.“, sagt Klubobmann Gerald Dobernig.
Villach ist die einzige größere Stadt Österreichs ohne Notschlafstelle für Erwachsene. Die nächste niederschwellige Schlafmöglichkeit ist das Eggerheim in Klagenfurt, und das Haus dort war im vergangenen Winter bereits überlastet. Das Villacher Kältetelefon hat 2025 nach Angaben der Stadt 96 Menschen gemeldet¹, 81 davon haben die angebotene Hilfe nicht angenommen. „Wenn 81 von 96 Menschen das Angebot nicht annehmen, dann liegt es nicht an den Menschen. Dann passt das Angebot nicht zu ihrem Leben. Wer in Not ist, braucht ein Bett – ohne großem Tam-Tam und bürokratischen Formalitäten.“, so Dobernig. Housing First, also eine eigene kleine Wohnung mit Betreuung, ist ein richtiger Weg. Aber nicht alle Betroffenen schaffen es, diesen Weg zu gehen – und wenn, dann dauert es Wochen, die Hilfe wird aber meist unmittelbar gebraucht.. „Wir wünschen uns ein Villach das hinsieht und hilft.“ so Dobernig abschließend.
¹ https://www.wienerzeitung.at/a/obdachlose-warum-es-in-villach-keine-notschlafstelle-gibt