“100 Stunden ohne Konsum” – Ein kurzer Rückblick und Rezepte aus den Workshops

Zwei Wochen nach dem Projekt "100 Stunden ohne Konsum" - im Rahmen der Klagenfurter Herbstmesse - freuen wir uns auf eine spannende und ereignisreiche Zeit zurückblicken zu können. Wir konnten durch dieses Projekt viele inspirierende Menschen kennen lernen, uns mit anderen Initiativen vernetzen und viele neue Fähigkeiten erlernen.

Die 20 Workshops, die innerhalb der fünf Tage stattgefunden haben, waren sehr gut besucht und wir sind durchaus angetan vom regen Interesse der TeilnehmerInnen. Viele haben gefragt, ob es irgendwie möglich ist die Rezepte und Aleitungen aus den Workshops nachzulesen...

Und ja - man findet einige Rezepte und Anleitungen auf unserer Homepage unter den "Wandelskills". Was wir unter Wandelskills verstehen? Wandelskills sind für uns alle Fähigkeiten, Erfahrungen und Werkzeuge, die dazu dienen, den unvermeidbar-bevorstehenden ökosozialen Gesellschaftswandel herbeizuführen und voranzutreiben. Sie dienen der aktiven Gestaltung unseres eigenen Lebens sowie unseres unmittelbaren Lebensraums. Die Seite wird laufend aktualisiert und je nach Zeit, Muse und Nachfrage werden immer wieder neue Artikel hochgeladen.

 

 

 

Welche Anleitungen und Rezepte aus den Workshops findet man nun auf unserer Homepage?

Hier kommt ihr zu den Pflanzlichen Rezepten vom täglichen Kochworkshop - einige Rezepte werden nach und nach hochgeladen.

Außerdem findet ihr hier eine Anleitung zum Waschen mit der Rosskastanie und sowie zur Herstellung eines Shampoos mit Rosskastanien.

Hier kommt ihr außerdem zur Anleitung für den Bau eines Wurmkomposters.

Alle Anleitungen und Rezepte zum "konsumfreien Leben", die bisher verfasst wurden, findet ihr hier.

Workshopprogramm “100 Stunden ohne Konsum”

Mittwoch, 11. September 2019
10.00 Uhr: Müllfreies Badezimmer mit Melanie Gaggl
11.00 Uhr: Pflanzlich Kochen mit Jutta und Robert
14.00 Uhr: Brot backen mit Cornelia Artunjak
15.30 Uhr: Saatgut gewinnen mit Cornelia Artunjak

Donnerstag, 12. September 2019
10.00 Uhr: Die Rosskastanie, unser heimischer Waschbaum mit Ilse Schindler
11.00 Uhr: Pflanzlich Kochen mit Jutta und Robert
14.00 Uhr: Bodenregenerierung durch Humus-Aufbau mit Dr. Mario Molina-Kescher
15.30 Uhr: Einkochen mit Elke Oberhauser

Freitag, 13. September 2019
10.00 Uhr: Upcycling mit Melanie Gaggl
11.00 Uhr: Pflanzlich Kochen mit Jutta und Robert
14.00 Uhr: Körperpflegeprodukte aus Rosskastanien únd diversen Kräutern mit Ilse Schindler
15.30 Uhr: Salbenherstellung mit Ilse Schindler

Samstag, 14. September 2019
10.00 Uhr: Spinnrad mit Eva Schmid
11.00 Uhr: Pflanzlich Kochen mit Jutta und Robert
14.00 Uhr: Schenk-Kultur und Schenk-Plattformen mit Sarah Stern
15.30 Uhr: Freie Software mit Rene Kopeinig

Sonntag, 15. September 2019
10.00 Uhr: Obst pressen mit Julian Greiler
11.00 Uhr: Pflanzlich Kochen mit Jutta und Robert
14.00 Uhr: Essig ansetzen mit Desiree Schellander
15.30 Uhr: Einen Baum pflanzen mit Julian Greiler

Die Inhalte der Workshops

Müllfreies Badezimmer (mit Melanie Gaggl)

Zero Waste bedeutet keinen Müll zu produzieren! Klingt unmöglich? Nur wer große Ziele hat kann etwas großes bewegen. Auf dem Weg ins müllfreie Leben begegnen uns viele Herausforderungen, jedoch können unsere Bedürfnisse im Badezimmer mit einfachen Mitteln und Rezepten gedeckt werden.

Olivenseife, Natron und Essig sind Wundermittel im Haushalt. Wir verwenden sie nicht nur als Pflegemittel, sondern auch zum Reinigen.​​​​​​​ Im Workshop lernen wir von Alternativen zu unseren herkömmlichen Putz- und Pflegeprodukten und können nebenbei auch noch Verpackungsmüll vermeiden.

Pflanzliches Kochen mit Jutta und Robert (Jutta und Robert Kravanja)

Immer wieder liest man in der Zeitung und in den sozialen Medien vom "ökologischen Fußabdruck" in Zusammenhang mit unserer Ernährung. Eines wird dabei immer deutlicher: unser hoher Fleischkonsum frisst - aufgrund der Rodung von Urwäldern für die Produktion von Tiernahrung, dem hohen Energie- und Wasserverbrauch sowie die immens hohe Emission von Treibhausgasen durch Tierhaltung und Transport - nicht nur den Planeten, sondern auch die Zukunft nachkommender Generationen. Eine sehr naheliegende, einfache und friedliche Lösung für diese Herausforderung bietet eine pflanzliche Ernährung.

Im Zuge des Experiments "100 Stunden ohne Konsum" wollen wir täglich aus regionalen und biologischen Lebensmitteln, pflanzliche Köstlichkeiten zubereiten, regionale Rezepte mit Liebe und Charme verfeinern und auch mit neuen Kreationen aus aller Welt experimentieren. Eines wird uns dabei klar werden: den eigenen Fußabdruck zu verringern kann nicht nur schmecken, sondern auch Spaß am Entdecken bereiten!

Saatgut gewinnen (mit Cornelia Artunjak)

Saatgut von Kulturpflanzen, das über Jahrhunderte und gar Jahrtausende von Menschen entwickelt und erhalten wurde, bildet die Grundlage unser aller Ernährung. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Saatgut jedoch immer mehr von der Agrarindustrie und Gentechnik zu Gunsten des Profits verändert und vermarktet, weshalb die Sortenvielfalt drastisch zurück gegangen ist.

Um sich selbst versorgen und unabhängig vom profitorientierten Lebensmittel-Markt leben zu können, ist der Erhalt von sortenreinem und regionaltypischem Saatgut besonders wichtig. In diesem Workshop lernen wir anhand von praktischen Beispielen, worauf es bei der Saatgut-Gewinnung und bei der Lagerung von Samen ankommt.

Brot backen (mit Cornelia Artunjak)

Wisst ihr noch wie echtes Brot schmeckt? Ohne die üblichen Zusatzstoffe wie Ascorbinsäure, Emulgatoren, Konservierungsstoffe und Enzyme? Brot aus dem Supermarkt, Backshops und auch so manchen Bäckereien enthält heutzutage neben Mehl meist noch viele andere Zugaben, um die maschinelle Verarbeitung zu erleichtern oder damit das Brot in der Auslage einen „guten Eindruck“ macht.

Wir backen im Zuge des Workshops köstliches Brot aus regionalen und naturbelassenen Zutaten. Außerdem erkunden wir die Welt des Brot-backens und worauf es beim Zubereiten des Teiges ankommt. Nebenbei können wir voneinander lernen und unsere Erfahrungen austauschen.

Die Rosskastanie, unser heimischer Waschbaum (mit Ilse Schindler)

Alle herkömmlichen Waschmittel enthalten viele Zusätze, die unserer Natur schaden, weil vieles davon nicht einmal in den Kläranlagen herausgefiltert werden kann. Unserer Umwelt zuliebe sollten wir auf das zurückgreifen, was uns die Natur im Überfluss bietet – Pflanzen mit sogenannten waschaktiven Substanzen, im Fachjargon Saponine genannt. Aus den Früchten der Rosskastanie, Efeublättern oder auch aus Seifenkraut können wir Waschlauge herstellen, die hautfreundlich, umweltschonend und geldfrei ist.

In diesem Workshop lernen wir die Vorteile der heimischen Waschnuss kennen, verarbeiten sie zu Wasch- und Reinigungspulver und erfahren darüber hinaus von ihrer gesundheitsfördernden Wirkung auf Körper und Haut.

Bodenregenerierung durch Humusaufbau (mit Dr. Mario Molina-Kescher)

Die Regenerierung der Böden durch Humusaufbau - unter anderem durch die Kompostierung - ist entscheidend, um dem Klimawandel entgegen zu wirken. Durch den Aufbau von Humus werden große Mengen an CO2 von der Atmosphäre entnommen und im Boden gespeichert. Gesunde Böden, die mit Humus angereichert sind, bringen außerdem eine qualitativ und quantitativ höhere Lebensmittelproduktion mit sich.

Durch die Wurmkompostierung können die eigenen organischen Reste und alltägliche Küchenabfälle - sogar im urbanen Raum - einfach und geruchlos in wertvollen Humus verwandelt werden. Das Ergebnis ist ein hervorragender Dünger, der für alle Gemüse- und Zierpflanzen geeignet ist.

Einkochen (mit Elke Oberhauser)

Unsere Region befindet sich in einer Klimazone, welche vom Wechsel der Jahreszeiten gekennzeichnet ist. So erhellend der Frühling und ertragreich der Sommer sein kann, spätestens wenn sich der farbenfrohe Herbst ankündigt und sich die Gartensaison langsam dem Ende neigt, müssen wir uns für den Winter vorbereiten. Das Haltbarmachen und Einkochen von frischem Obst und Gemüse ist daher essentiell und bereits seit Jahrhunderten in unserer Kultur verankert. In diesem Workshop erfahren wir, wie wir mit altbewährten Techniken und ohne viel Aufwand einen Vorrat für gutes Essen anlegen können, den man das ganze Jahr über genießen kann.

Upcycling (mit Melanie Gaggl)

​​​​​​Es ist schon lange bekannt, dass die Textilindustrie in sozialen und ökologischen Fragen ein rotes Tuch ist. Wir alle können dazu beitragen weniger Textilien zu konsumieren, indem wir vorhandene Nutzen und sie, mit ein klein wenig Kreativität und persönlichem Flair, in neue Lieblingsstücke verwandeln.

Das T-Shirt ist zu klein oder hat ein kleines Loch? Kein Grund es gleich in den Müll zu werfen! Wir fertigen daraus gemeinsam eine Tasche für alle Fälle.

Körperpflegeprodukte aus Rosskastanien und diversen Kräutern (mit Ilse Schindler)

Immer mehr umweltbewusste Menschen fragen nach natürlichen, Ressourcen-schonenden und einfach herzustellenden Produkten zur Köperpflege mit positivem ökologischem Fußabdruck. Das heißt, nach Produkten, deren Zutaten aus der unmittelbaren Umgebung stammen. Was liegt daher näher als für einige Produkte unseren heimischen Waschbaum, die Rosskastanie bzw. ihre Früchte zu verwenden.

Salbenherstellung (mit Ilse Schindler)

Die Natur bietet für beinahe jedes Wehwehchen ein Mittel. Kräuter, Früchte, Beeren, Wurzeln enthalten unheimlich viele Wirkstoffe, die wir uns in verschiedensten Formen zunutze machen können. Eine sehr gängige Form Pflanzen zu verarbeiten ist die Herstellung eines Mazerats, welches dann zu einer Salbe weiter verarbeitet werden kann. In diesem Workshop lernen wir gemeinsam einige herkömmliche gesundheitswirksame Pflanzen kennen und bereiten Salben, die siet jeher als Hausmittel bekannt sind und die wir im Alltag gebrauchen können, zu.

Spinnrad (mit Eva Schmid)

"100% Baumwolle" - Wer achtet nicht auf diesen Hinweis, wo doch die wenigsten von uns in Kunststoffkleidung schwitzen wollen? Was aber bedeutet "100% Baumwolle"? Speziell hier in Europa, wo ja gar keine Baumwolle wächst??

Es bedeutet größtenteils vergiftete Monokulturen, zerstörte Lebensmittel-Selbstversorgung und Hungerlöhne für ProduzentInnen im globalen Süden. Hinzu kommen Unmengen an Transporte über tausende Kilometer mit schwersten Geräten und immensem Erdölverbrauch.

Denken wir gemeinsam darüber nach, während wir mit dem Spinnrad und der Handspindel ein kleines Stück Leinen- oder Wollfaden spinnen.

Schenk-Kultur und Schenk-Plattformen (mit Sarah Stern)

Die Schenkkultur wird schon vielerorts praktiziert. Kost-Nix-Läden, Schenkboxen, Offene Bücherregale und einiges mehr gibt es auch schon in Kärnten. An diesen Orten wird die Tauschlogik bereits überwunden. S

tatt ständig neuer Produktion von kurzlebigen Gütern geht es hier um etwas anderes. Bedürfnisse und deren Erfüllung, Überfluss und dessen Verwendung und Verwertung stehen im Mittelpunkt und natürlich ein gutes Miteinander. Eigentlich gar nicht so neu, oder?"

Freie Software (mit René Kopeinig)

In diesem Workshop geht es darum Freie Software - also Programme die frei von Einschränkungen genutzt werden können - kennenzulernen, sie zu nutzen und die Unterschiede zu herkömmlicher Software zu verstehen. In diesem Workshop werden verschiedene Systeme gezeigt. Außerdem lernen wir wie man sie installiert und wie man sie seinen Bedürfnissen entsprechend auch anpassen kann. Wenn die digitale Freiheit ein wichtiges Thema für dich ist, bist du bei diesem Workshop genau richtig!

Obst pressen (mit Julian Greiler)

Die Tage werden kürzer und die ersten Blätter färben sich goldgelb oder fallen zu Boden. Der Herbst ist da und somit beginnt auch die Obsternte - von Äpfeln und Pflaumen über Birnen bis zu den Trauben. Eine Möglichkeit das Obst zu verarbeiten und haltbar zu machen, ist das Auspressen des Fruchtsafts, der als Basis für das Ansetzen von Most und Essig verwendet werden kann. In diesem Workshop lernen wir, wie man mit einfachen Methoden und Geräten das Obst pressen kann, um über das Jahr den vollen kulinarischen Fruchtgenuss erleben zu können.

Essig ansetzen (mit Desiree Schellander)

Apfelessig gilt als altes Hausmittel zur Vorbeugung und Behandlung verschiedenster Beschwerden. So kennen wir vielleicht noch die Essigpatscherl bei Fieber, das Essigwasser für ein gesundes Immunsystem oder die antibakterielle Wirkung beim Putzen.

Auf der Grundlage von gutem Apfelessig können viele verschiedene Kräuteressige erzeugt werden. So verbinden wir die Kraft des Apfels mit den Kräutern zum Würzen, Genießen und fürs Wohlbefinden. Wir stellen uns selbst Kräuteressige her und erfahren mehr über ihre volksheilkundliche Wirkung.

Einen Baum pflanzen (mit Julian Greiler)

"100 Stunden ohne Konsum" auf der Klagenfurter Herbstmesse.... und was bleibt? Gemeinsam wollen wir zum Abschluss des Experiments am Messegelände einen Obstbaum pflanzen, wobei wir lernen, worauf man beim Setzen von mehrjährigen Hölzern besonders Acht geben sollte.Der gepflanzte Baum soll anschließend auf "mundraub.org", die größte deutschsprachige Plattform für die Entdeckung und freie Nutzung essbarer Landschaften, eingetragen werden. So können auch zukünftige Generationen am Messegelände konsumfrei von den Früchten des fünftägigen Experiments naschen.

 

 

 

“100 Stunden ohne Konsum” auf der Klagenfurter Herbstmesse

Wir, Sascha Jabali (30) und Vanessa Rainer (28), stellen uns auf der Klagenfurter Herbstmesse einem besonderen Experiment: Inmitten einer Konsumveranstaltung, wollen wir in der "GoGreen"-Nachhaltigkeitshalle zeigen, dass es auch anders geht. Ein Leben frei von Ausbeutung, Konkurrenz, Konsum und Tauschlogik ist unsere Vision und in den fünf Tagen der Herbstmesse, wollen wir lernen, wie wir dieser Utopie näher kommen können. Wir sind auf dem Weg unsere Vision schrittweise zur Realität zu machen und wollen die Gelegenheit nutzen, um Menschen dazu einzuladen dies gemeinsam zu tun.

Verantwortung für die Erde: Der Beginn einer Reise

Wir beide lernten uns 2013 kennen und stellten sehr schnell fest, dass es mehr ist was uns verbindet. Schon kurz nachdem wir uns trafen erkannten wir, dass wir die Welt durch dasselbe Fenster betrachten. Wir waren uns beide darüber bewusst, dass wir in der westlichen Welt - so auch in Österreich - einen Lebensstil führen, der nicht nur unsere Lebensgrundlagen zerstört, sondern auch unzählige Menschen tagtäglich ausbeutet. Zudem machen wir mit unserem Lebensstil und Konsumwahn das Leben für zukünftige Generationen schlichtweg unmöglich.

Wir beide fühlten, dass wir nicht mehr tatenlos zusehen und schon garnicht Teil davon sein wollen. Im jahr 2015 riefen wir gemeinsam mit einigen anderen „Erdlingen“ die Bewegung "Verantwortung Erde" ins Leben. Nach einem unglaublich erfahrungsreichen Wahlfrieden zogen wir - wider allen Erwartungen, aber mit viel Hoffnung und der Idee Villach zur essbaren Stadt zu machen - mit einem Mandat in den Villacher Gemeinderat ein. Damit war es besiegelt - unsere Gedanken haben gesellschaftliche Relevanz erlangt und zumindest 3,6% der Villacher WählerInnen empfand, dass es Menschen braucht, die Verantwortung für die Erde übernehmen und Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit nicht nur einfordern, sondern auch entwickeln und praktisch erproben. Denn das war von Anfang an unser Ansatz: Wir wollen bewegen, innerhalb sowie außerhalb der Parlamente. Die globalen Zusammenhänge erkennen und auf lokaler Ebene handeln.

Wir begannen mit vielen Projekten zugleich, ahnungslos wo uns die Reise hinführt. Wir besiedelten unseren seither stetig wachsenden Freiraum - die E.R.D.E.* - in der Willroiderstraße in Villach und die erste essbare Oase mitten in der Villacher Innenstadt entstand vor der eigenen Haustüre. Im Jahr darauf durften wir erstmals Teile der öffentlichen Grünflächen essbar Begrünen, die erste Schenkbox Kärntens wurde im Garten E.R.D.E.* errichtet und Veranstaltungen, wie die Saatgut-Feste, Schenk-Feste oder "Villach lebt Vielfalt"fanden großen Anklang. Alles lief wie geschmiert, doch die immer intensiver werdende politische Arbeit hinterließ ihre Spuren, denn wir erkannten, dass es viel mehr braucht als ein paar kosmetische Eingriffe. Wir müssen an die Wurzel, um die Klimakatastrophe nicht weiter zu befeuern.

Die Wirtschaft, das Wachstum und der Konsum

Durch unser politisches Interesse und das Bedürfnis gesellschafts-gestaltend zu wirken, erkannten wir immer mehr die Zusammenhänge zwischen der Wirtschaft - mitsamt ihrem Wachstumszwang - und der schonungslosen Zerstörung unserer Welt und die damit einhergehende Zerstörung der Menschen, unserer selbst. Unser gesellschaftlicher Zeitgeist ist gefangen in einer Logik, die auf endlosem Wachstum basiert. Wir folgen dem Zwang über alle Grenzen hinaus zu wachsen, ganz außer Acht lassend, dass unsere Ressourcen begrenzt sind. Wir versiegeln unbegreiflich viel Boden und fruchtbares Land für Arbeitsplätze und die Produktion von Waren und Gütern, die nicht unseren Bedürfnissen entsprechen. Wir vergiften unsere Böden und vernichten die Artenvielfalt für die industrielle Produktion von Nahrungsmitteln, für Profit. Wir behandeln Tiere als wären sie eine Ware und karren sie von einem Land ins andere, um sie dort billiger zu schlachten und ihre Kadaver in Plastik verpackt zurück zu karren. Wir bauen immer mehr Einkaufszentren an den Stadträndern um das Konsumieren möglichst bequem und widerstandslos zu gestalten, während wir Orts- und Stadtkerne aussterben lassen. Ganz nebenbei gleiten wir immer weiter in die Abhängigkeit großer Industrien und Märkte und verneigen uns diesen ungreifbaren Kräften in stiller Hörigkeit.

All das legitimieren wir tagtäglich mit einer einzigen Handlung: dem direkten Tausch eines Scheins mit einer Ware. Kurz: unserem Konsum.

Eine Lebensentscheidung

Mit all diesen Erkenntnissen, ging die Entscheidung einher ein anderes Leben zu führen. Ein Leben, das frei ist von Ausbeutung und Zerstörung - ein Leben, befreit von Konsum. Doch das lässt sich nicht von einem Tag auf den anderen umsetzen. Wir begannen erstmals damit selbst - ganz ohne Vorkenntnisse und entsprechender Ausbildung - unsere eigenen Lebensmittel anzubauen und uns mit natürlichen Heil- und alten Hausmitteln auseinander zu setzen. Darüber hinaus wurden Netzwerke aufgebaut, die es uns ermöglichen Vorhandenes sinnvoll zu nutzen. Dies bedeutet einerseits, dass wir Beziehungen aufbauen mit deren Hilfe wir Dinge reparieren und wiederverwenden können. Allem voran aber können wir in der Gemeinschaft Ressourcen miteinander teilen - sie dort einsetzen, wo sie wirklich gebraucht werden, anstatt sie in irgendeinem Keller verstauben zu lassen. Wir verwenden Dinge und Gegenstände, die andere längst wegwerfen würden und leben somit auch vom "Abfall" unserer Gesellschaft. Auf vieles verzichten wir, weil es keinen Spaß mehr macht es zu konsumieren, und viele Produkte ersetzen wir durch selbst hergestellte, die viel weniger Ressourcen und Energieaufwand benötigen. Tagtäglich lernen wir dazu und sind bereit Neues zu erproben - wir sind in einem kontinuierlichen Prozess und auch darauf angewiesen, uns jeden Tag neu zu erfinden. Wir kommen unserer Vision täglich einen Schritt näher - einem Leben frei von Geld und Konsum.

Von der Notwendigkeit und ungewöhnlichen Gelegenheiten

Wieso wir uns nun in die "Höhle des Löwen" begeben und uns inmitten der Klagenfurter Herbstmesse dem Experiment "100 Stunden ohne Konsum" stellen? Die Antwort ist einfach - weil es schlichtweg notwendig ist! Es ist höchste Zeit, dass wir uns von unseren alten Denkmustern befreien und unser aller Leben grundlegend ändern – dazu möchten wir einladen - zugunsten zukünftiger Generationen und des Planeten. Wir wollen die Gelegenheit des Experiments nutzen, um einerseits von anderen Menschen und ihren Fähigkeiten zu lernen und andererseits unsere eigenen Erfahrungen zu teilen. Wir wollen uns mit Menschen aus ganz Kärnten und vielen anderen Orten austauschen und vernetzen. Vor allem aber ist es uns ein Bedürfnis der Welt zu zeigen, wie erfüllend es sein kann, sich über seine eigenen Bedürfnisse klar zu werden und selbst und mit vielen Mitmenschen dafür aufzukommen.

Wir tragen die Hoffnung in uns, dass wir es schaffen die Notbremse zu ziehen und unser Zusammenleben auf diesem Planten friedlich, solidarisch und im Einklang mit der Erde, und all dem Leben auf ihr, gestalten können. Wir alle haben die Möglichkeit Verantwortung für die Erde zu übernehmen und die Welt zu gestalten, wie wir sie uns wünschen. Wir sind nur eine Entscheidung davon entfernt. Eine andere Welt ist pflanzbar!