Das Gartenjahr 2020 – Lokale Antworten auf globale Umstände

Das Gartenjahr 2020 war für uns ein besonders ereignisreiches! Im Frühjahr hat für uns schon alles spannend begonnen, denn kurz nach dem ersten Saatgutfest in der E.R.D.E.* Ende Februar 2020 erreichte uns die globale Covid-Pandemie. Als sich die Situation mit dem ersten Lockdown zuspitzte, wurde uns klar, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen in Bezug auf unsere Versorgung nicht einzuschätzen sind. Unsere erste Antwort war sortenreines Saatgut per „Saatgutpost“ zu verschicken, um Menschen in unserem Umfeld mit Saatgut zu beschenken. Im Begleitbrief zur Saatgutpost sind wir näher auf die Situation und die Bedeutung einer regionalen Lebensmittelporduktion eingegangen.

Wir erweitern unsere Gärten

Nach der Aktion haben wir unseren Fokus auf den aktiven Anbau von Lebensmitteln gesetzt und dazu aufgerufen bei den Gartenaktivitäten im Rahmen der Bewegung mitanzupacken. Dementsprechend konnten wir unsere Handlunsgfelder erweitern – so sind in unserem Gemeinschaftsgarten in Finkenstein – dem „Kanzigarten“ - viele neue, motivierte Gartenfreundschaften entstanden. Wir haben neue Beete angelegt und unseren „Gemüseacker“ in einen vielfältigen und bunten Garten verwandelt. Zudem haben wir auch mehrere private Gärten in Villach bepflanzt, wobei wir die Ernte in der Gemeinschaft und darüber hinaus teilten.

Neue Erfahrungen in der Gartenpraxis

Im Garten selbst haben wir wieder viele neue Erfahrungen gemacht. Ein Highlight war, dass wir das erste Mal mit dem Anbau von Getreide, darunter Roggen und Glatthafer, experimentierten. In einer gemeinsamen Aktion ernteten wir vier große Kisten Roggen-Ähren, die nun über den Winter zu Brot und Flocken verarbeitet werden. Außerdem machten wir auch die ersten Erfahrungen mit dem Anbau von Linsen, Popcornmais und Sojabohnen. An diesen Beispielen merkten wie viel hinter der Produktion von unseren „Grundnahrungsmitteln“ - vor allem beim Anwenden bodenregenerativer Methoden und ohne Einsatz von schweren Maschinen - was uns nochmal bewusster damit umgehen lässt. Außerdem legten wir im „Kanzigarten“ Erdebeer-Beete, einen wild wachsenden „Kräuterwald“ und neue Gemeinschaftsbeete an. Die Krönung im Herbst beim „Einwintern“ war das feierliche Pflanzen eines Apfelbaumes, den wir unserem jüngsten Erdling unserer Bewegung -unserer Lilith - widmeten. Ein wunderschöner Abschluss.

Nachernten und Ernte teilen

Zusätzlich zum eigenen Anbau von Gemüse, Obst und Kräutern erweiterten wir unsere Versorgung mit dem Nachernten von Gemüse bei Landwirt*innen in ganz Kärnten. Durch unsere Teilnahme am „Projekt Essbar“ des Together-Vereins konnten wir nicht nur kostbares, frisch geerntetes Gemüse vor dem Verfaulen am Feld retten, sondern auch viele Teile der Ernte über unser direktes Umfeld hinaus verteilen. So erweiterten wir die Schenkbox um einen Ernte-Teil-Tisch, der von vielen Villacher*innen sehr gut angenommen wurde.

Ernte-Dank-Fest am Hauptplatz

Die diesjährige Gartensaison ließen wir beim Ernte-Dank-Fest am 16.Oktober am Villacher Hauptplatz feierlich ausklingen. Trotz der gegenwärtigen Covid-Umstände konnten wir einen feinen Tag verbringen und die Ernte miteinander genießen. Einige Besucher*innen des Festes haben auch Obst und Gemüse sowie verarbeitete Köstlichkeiten, wie zB. Marmeladen und Kompott, mitgebracht, um diese mit anderen zu teilen. Außerdem gab es beim Fest einen Schenk-Tisch und eine mobile Schenkbox, die dazu einlud Dinge, die man selbst nicht mehr benötigt, aber noch verwendet werden können, an andere zu verschenken. Bei einem Rosskastanien-Infotisch zeigten wir, wie man mit der Rosskastanie Wäsche waschen kann und wofür die heimische Waschnuss sonst noch verwendet werden kann. Praktische Anwendungen für Rosskastanien findest du bei unseren Wandelskills. Wir verbrachten einen feinen Tag miteinander und stellten fest, dass die regionale Versorgung mit naturnah und achtsam angebauten Lebensmitteln in Zeiten wie diesen wichtiger ist denn je.

Parking-Day: Platz für Leben statt Autos

Am Freitag, den 19.09.2020,  fand der internationale #ParkingDay statt, bei dem wir das erste Mal mit einer Aktion teilgenommen haben. Der Parking Day will darauf aufmerksam machen, wie viel Raum wir dem motorisierten Individualverkehr – vor allem dem Auto – opfern. Dabei handelt es sich nicht nur um Grünflächen im Umland, sondern auch um den innerstädtischen Raum. Sieht man genau hin, erkennt man: dort wo Parkplätze sind, ist kein Leben. Es sind tote Flächen, denn entweder steht ein Auto darauf, oder dort passiert einfach nichts.
Auch Villach und Klagenfurt sind aufgrund des mager ausgebauten öffentlichen Verkehrs- und Radwegenetzes unter den größten österreichischen Städten mit Abstand die Städte mit dem höchsten Anteil an Motorrädern und Autos je Einwohner. Dies liegt vor allem auch daran, dass die Kärntner Politik in den letzten Jahrzehnten verstärkt auf die Infrastruktur für das KFZ gebaut hat. Dadurch wurden nicht nur öffentliche Plätze und Orte der Begegnung vermehrt zu Abstellplätzen für Fahrzeuge umfunktioniert, sondern es sind auch unzählige Hektar fruchtbaren Bodens zum Zweck der Parkraumschaffung unter Beton verschwunden. So ist Villach bei den Verkehrsflächen je Einwohner (Straßen und Parkplätze) österreichweit auf dem traurigen zweiten Platz zu finden. Hierbei benötigen wir je Einwohner mit 159 m² beispielsweise 62 m² mehr Fläche als vergleichbare Städte wie Wels (97 m²).
Mit unserer Aktion unter dem Motto “Platz für Leben statt Autos“, die direkt auf den Parkplätzen vor unserem Freiraum E.R.D.E.* in der Willroiderstraße stattgefunden hat, haben wir gezeigt, was alles passieren kann, wenn wir toten Plätze wieder Leben einhauchen. Wir haben den Tag genutzt, um gemeinsam kreativ tätig zu sein. Wir haben so einiges gebastelt, genäht, Saatgut gewonnen und die kommenden Saatgutfeste vorbereitet, Rosskastanien zum Wäsche waschen geschreddert, gemeinsam Gemüse aus dem eigenen Garten verkocht, pflanzlich gegrillt, Musik gemacht und zum Abschluss gab es auch eine Lesung. Ein schöner Tag, der erahnen lässt, wie die Stadt wohl aussähe, gäbe es keine Autos…. 🌱😍

Wir plädieren für eine Beteiligung der Stadt Villach an Moria-Hilfe

Wir rufen alle Gemeinderatsfraktionen zu einem Schulterschluss auf. Die Stadt Villach soll sich anderen Gemeinden und Städten anschließen und einen „sicheren Platz“ für Geflüchtete aus den Elendslagern in Griechenland schaffen. Ein Antrag dazu wird in der Gemeinderatssitzung am 25. September eingebracht.

Wir regen an, dass sich Villach, als eine der reichsten und lebenswertesten Städte Europas, aktiv an der Hilfe für die Menschen, die aus dem überfüllten, provisorischen Lager in Moria fliehen mussten, einsetzt. Der Gemeinderat soll in der Sitzung am 25. September beschließen, sich anderen Gemeinden, Städten, Religionsgemeinschaften und Hilfsorganisationen anzuschließen, die konkrete Hilfe anbieten wollen.  Das Ziel ist als ersten Schritt die Bundesregierung dazu zu bewegen, obdachlose Geflüchtete aus den Lagern in Österreich aufzunehmen. Vordringlich wird die Aufnahme von Minderjährigen oder Familien mit Kindern angestrebt. Wir schlagen vor in Villach 10 Familien, oder ungefähr 40 Menschen, aufzunehmen.

Villach kann es sich leisten, einen Teil der Menschen aus ihrer Not zu befreien und dadurch einen Beitrag zu einer überregionalen Lösung zu leisten. Wir wollen nicht auf bessere Zeiten warten, und weiter dem Sterben und der Unmenschlichkeit an den EU-Außengrenzen tatenlos zusehen. Wir hoffen auf einen möglichst breiten Konsens im Gemeinderat.

Nehmen wir uns das Motto "Villach lebt Vielfalt" wirklich zu Herzen. Eine Beteiligung an der Linderung dieser Notsituation würde dem weltoffenen und verantwortungsvollen Bild Villachs entsprechen, das wir uns wünschen und viele Politiker*innen gerne skizzieren.

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Nachtrag:

In der Gemeinderatssitzung vom 25.09.2020 wurde auf unsere Initiative hin dieser Dringlichkeitsantrag gemeinsam mit der SPÖ, den Grünen und Gemeinderat Pfeiler eingebracht. Diesem Antrag wurde mit den Stimmen der ÖVP und der FPÖ die Dringlichkeit nicht zuerkannt!

Wir erweitern die Schenk-Box um einen Jungpflanzerl-Schenktisch

Da wir dieses Jahr kein Jungpflanzerl-Schenkfest veranstalten konnten, haben wir nach einer Lösung gesucht, wie wir dennoch überschüssige Jungpflanzerl unter die Menschen bringen können. Daher gibt es jetzt direkt neben der Schenkbox im Garten E.R.D.E.* einen Jungpflanzerl-Schenktisch! 😊

ALLE sind herzlich eingeladen diesen Tisch zu nutzen, um Pflanzerl, die zu viel gesät wurden, an andere zu verschenken und Pflanzerl, die man selbst noch gerne im Garten setzen würde, mitzunehmen!

Wir freuen uns eine Alternative zum jährlichen Fest gefunden zu haben und dass wir dennoch die Vielfalt in unseren Gärten erweitern können 🍅🥒🌶🥦🥕🍆

Wir waren Teil der internationalen Degrowth-Konferenz

Heuer waren wir erstmals Teil der internationalen Degrowth-Konferenz, die seit 2008 alle zwei Jahre an einem anderen Ort stattfindet. Die Konferenz versucht Aktivist*innen, Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen zusammenzubringen und Themen rund um Wachstumskritik und Lösungen zum momentan herrschenden Wirtschaftssystem zu diskutieren. Sie wird als die wichtigste Veranstaltungsreihe der wachstumskritischen Bewegung angesehen. Degrowth umfasst in diesem Kontext die vielseitigsten Strategien, die zu einer naturnahen und regenerativen Art des Zusammenlebens beitragen und uns als Gemeinschaft vom zerstörerischen, globalen Wirtschaftssystem unabhängig machen.

Da die Konferenz dieses Jahr – aufgrund der momentanen Situation – online stattfand, konnten mehr als 3000 Menschen weltweit an über 100 verschiedenen Sessions teilnehmen. Das Programm war unglaublich vielseitig und umfasste eine weite Palette von englisch- und deutschsprachigen Podiumsdiskussionen, Workshops und Vorträgen zu alternativen Strategien für den dringend notwendigen Gesellschaftswandel.

Wir durften in die Konferenz auch einen eigenen Beitrag - dem Workshop "Demonetisation - Developing a society beyond Money" einbringen. Auch bei unserem 90-minütigen Workshop haben Menschen aus aller Welt teilgenommen und zu einer angeregten Diskussion beigetragen.

Wir sind dankbar für das Feedback und die interessanten Anregungen und hoffen, dass auch wir inspirieren konnten.

Hier findet ihr unseren Beitrag "Demonetisation - Developing society beyond money" zum Nachsehen auf Youtube und hier findet ihr den offiziellen Youtube-Kanal der Degrowth Conference Vienna 2020, wo es einige Podiumsdiskussionen zum Nachsehen gibt.

Die Saatgutpost gedeiht nun in vielen Gärten

Wir freuen uns über jede einzelne der über 700 Saatgutpost-Anfragen und bedanken uns von Herzen für die vielen liebevollen und bestärkenden Rückmeldungen!

Aufgrund der unerwarteten Ereignisse im Frühjahr dieses Jahres, haben wir beschlossen anstatt der geplanten Saatgutfeste, das Saatgut per Saatgutpost unter die Menschen und in die Erde zu bringen. Die andauernde Corona-Pandemie führt uns eindrücklich vor Augen, wie wichtig die lokale Nahrungsmittel-Erzeugung ist und dass wir uns unbedingt gemeinsam um größtmögliche Ernährungssouveränität bemühen sollten.
In der Fähigkeit unseren Nahrungsbedarf in unserem Lebensraum selbst stillen zu können, sehen wir einen der wichtigsten Bestandteile für einen zukunftsfähigen Lebensstil. Darüber hinaus kann das „Garteln“ aber auch Balsam für die Seele sein und Hoffnung schenken.

Durch die Aktion wurden rund 6000 Portionen Saatgut abgesackelt, die Sackerl beschriftet, Kuverts verziert, hunderte Verpackungen aus Zeitungspapier gebastelt, die Pakete befüllt, Anfrage-Formulare eingerichtet, Adress-Etiketten gedruckt, Briefe geschrieben …. der Großteil der Saatgutpost wurde zudem von vielen Freiwilligen und engagierten Erdlingen persönlich zugestellt. Dass das alles trotz der Rahmenbedingungen und der Distanz so gut geklappt hat, liegt vor allem an der wundervollen Zusammenarbeit von mehr als 30 "Erdenamtlichen", die sich an der Aktion beteiligen und sie dadurch möglich machen.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle, die an der Aktion mitgewirkt haben und auch alle, die nun fleißig dabei sind, der regionalen Ernährungssouveränität einen Schritt näher zu kommen!

Hier kommt ihr  noch zum Begleitbrief zur Saatgutpost. 🙂

Saatgutpost statt Saatgutfest

Vielen Dank für eure Anfragen und die vielen, lieben und stärkenden Rückmeldungen! Wir bearbeiten nun die Saatgutpost und freuen uns euch das Saatgut bald zuzustellen.

Alles Liebe und viel Freude im Garten!

 

Für das Jahr 2020 hatten wir insgesamt sechs Saatgutfeste in Villach geplant, um vermehrbares Saatgut - und somit Unabhängigkeit - zu verschenken. Wir wollen damit zum "Garteln" anregen und Vielfalt in möglichst viele Gärten bringen. Vor allem ist es uns aber ein Anliegen, dadurch einen Beitrag für die lokale Ernährungssouveränität zu leisten.

Wie es derzeit aussieht, wird es aber aufgrund der Ausbreitung des Corona-Virus bzw. der damit einhergehenden Maßnahmen, heuer wohl nur bei den beiden bereits stattgefundenen Saatgutfesten bleiben.

Um so wichtiger ist daher, dass das Saatgut, das wir für die Saatgutfeste gewonnen und besorgt haben unter die Menschen und in die Erde kommt. Hierzu hatten wir ein Formular für die "Saatgutpost" eingerichtet, über das ihr bis zum 31.März 2020 Saatgut anfragen konntet und welches euch dann zugestellt wird.

Die aktuelle Ausnahmesituation führt sehr deutlich vor Augen, wie wichtig es ist, dass möglichst viele Lebensmittel lokal hergestellt werden, um dadurch die Versorgungssicherheit bzw. die Resilienz - die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen - zu stärken. Vor allem ist es uns wichtig, dass wir die Deckung unserer Grundbedürfnisse unabhängig von Wirtschaftskrisen und Import-/ Exportbestimmungen gestalten können.

Dabei ist das "Garteln" nicht nur im Angesicht unserer aktuellen "Krisensituation" sinnvoll. Jeder Mensch kann durch den eigenen Anbau von Obst und Gemüse aktiv einen Beitrag leisten, um die Ausbeutung von Natur und Mensch in Österreich und darüber hinaus auf der gesamten Welt zu beenden.

Umso wichtiger ist daher, dass das Saatgut, das wir für die Saatgutfeste gewonnen und besorgt haben unter die Menschen und in die Erde kommt. Hierzu haben wir ein Online-Formular für die Anforderung der "Saatgutpost" eingerichtet, über das ihr bis zum 31.März 2020 Saatgut anfragen könnt und welches euch dann zugestellt wird.

Wir sind darum bemüht, das uns zur Verfügung stehende Saatgut so gut wie möglich aufzuteilen, um so viele Menschen wie möglich zu versorgen. Wir bitten euch daher um Verständnis, wenn ihr eventuell nicht alle Sorten bekommt bzw. die Portionen etwas kleiner ausfallen. Außerdem wollen wir angesichts der momentanen Situation auch darauf hinweisen, wie wichtig es ist, Saatgut selbst zu vermehren und unabhängig von globalen Warenströmen zu werden.

Informationen über die richtige Aussaat des Saatguts und weitere "Wandelskills" findet ihr übrigens auf unserer Homepage unter www.verantwortung-erde.org/saatgut-informationen/

Wir sehen im "Garteln" nicht nur eine wichtige "Zweckerfüllung", sondern auch eine sinnerfüllte und wohltuende Tätigkeit, die Balsam für die Seele sein kann. Ein Samenkorn von der Aussaat über den Keimling bis hin zur Jungpflanze und zur erntbaren Frucht zu verfolgen und zu begleiten, kann Hoffnung schenken. Diese Initiative ist also unser Versuch, sowohl zum allgemeinen Wohlbefinden, als auch zur gemeinsamen Meisterung dieser Herausforderung beizutragen.

Eine andere Welt ist pflanzbar!

P.S.: Gerne könnt ihr auch Menschen in eurem Umfeld, die das Internet nicht oder nur kaum nutzen, auf diese Initiative aufmerksam machen und für sie ein weiteres Formular ausfüllen.

Mehr lesen...

Einladung zu den nächsten Saatgutfesten und Informationen zum Saatgut

Saatgut von Kulturpflanzen, das über Jahrhunderte und gar Jahrtausende von Menschen entwickelt und erhalten wurde, bildet die Grundlage unserer Ernährung. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Saatgut jedoch immer mehr von der Agrarindustrie und Gentechnik zu Gunsten des Profits verändert und vermarktet, weshalb die Sortenvielfalt drastisch zurück gegangen ist.

Eines unserer Kernanliegen ist es, ernährungssouverän zu werden weshalb wir uns darum bemühen, auf diese Thematik aufmerksam zu machen. Durch das Schenken und Tauschen von sortenreinem und selbst-gewonnenem Saatgut bei den Festen können wir aktiv Teil des Erhalts der Vielfalt sein.

„Ein anderes Kärnten ist pflanzbar“ lautet einer unserer Leitsprüche und damit diese Idee auch zur Wirklichkeit wird, sollten im kommenden Frühling auch so viele Samen wie möglich gesät werden. Aus diesem Grund beleben wir auch heuer wieder den öffentlichen Raum und vergrößern nebenbei auch noch die Vielfalt in unseren Gärten 🙂

Hier die Termine:

Wir freuen uns auf eine feine Zeit und inspirierenden Austausch über unsere persönlichen Erfahrungen im Garten und den Erhalt von sortenreinem und regionalen Saatgut! Fühlt euch willkommen auch Euer eigenes Saatgut mitzubringen, falls ihr Sorten habt die Ihr unbedingt verbreiten wollt! 🙂

Hier kommt ihr zu den Informationen zum Saatgut, das wir bei den Festen verschenken.

Das ERDE-Herbstfest 2019

Die erfreuliche Gartensaison mündete heuer in einem wundervollen Fest – dem ERDE Herbstfest Ende Oktober. Das Herbstfest war eines der diesjährigen Highlights, da wir alle gemeinsam in den Genuss der Fülle dieses Gartenjahres kamen – das Kochteam der Erde hat sich nicht nur wieder mal selbst übertroffen, sondern es war wirklich alles was es an Speisen und Köstlichkeiten gab aus eigenen Anbau! 🙂 Zudem hatten wir auch noch Glück mit dem Wetter und wir konnten die warme Jahreszeit gemeinsam ausklingen lassen.

Beim Herbstfest gab es eine spektakuläre Verkostung von vielen verarbeiteten Lebensmitteln – von in Essig eingelegten Zucchinis und Pfefferonis, über verschiendeste Marmeladen und Fruchtaufstriche bis hin zu fermentierten Zwiebeln und anderen Gemüsevariationen.

Vielen Dank für das schöne Fest – wir freuen uns schon aufs nächste Jahr!!! 🙂

Die Gartensaison 2019 – Ein Jahr der Fülle

Das Gartenjahr 2019 war für uns wirklich unglaublich, vielfältig, erfahrungsreich und natürlich auch genussvoll. Für uns ist der Anbau von Lebensmitteln ein wichtiger Schritt, um unsere Bedürfnisse aus dem eigenen Lebensraum zu decken und ernährungssouverän zu werden. Wir wollen nicht mehr länger auf Kosten von Menschen und ganzen Ökosystemen leben, und versuchen uns daher schrittweise unabhängig zu machen und unseren Konsum weitmöglichst zu minimieren.

Begonnen hat alles - wie auch in den Jahren zuvor, bei den Saatgut-Festen – drei Mal haben wir einen Stand am Villacher Hauptplatz aufgebaut und sortenreines, vermehrbares und biologisches Saatgut verschenkt . Viele BesucherInnen haben auch die Feste zum Anlass genommen, ihr eigenes Saatgut mitzunehmen und dieses zu verschenken. Wenn man stundenlang am Hauptplatz steht und dabei mit unzähligen Menschen über Saatgut, den Gemüsebau und das Haltbarmachen von Lebensmitteln philosophiert, kann man gar nicht anders als große Lust zu bekommen, selbst mit dem „Garteln“ loszulegen. Erstmals hatten wir bei den Saatgut-Festen auch Saatkartoffel zu verschenken, die uns unser Freund Friedrich vom Permakultur-Vöstl-Hof im Gurktal zur Verfügung stellte.

Wir konnten also viele Samen, die all die begeisterten Besucher der Saatgutfeste mitbrachten, in unseren Gärten in der Stadt – dem Garten E.R.D.E.* und dem Wirth-Park – sowie auf unseren Gemüseacker in Finkenstein und einem weiteren Permakultur-Garten in Mallestig, aussäen. Außerdem konnten wir dieses Jahr zum ersten Mal unseren zweiten Raum der E.R.D.E.* für die Anzucht der Jungpflanzerl nutzen – die Überschüsse an jungen Pflänzchen haben wir natürlich beim Jungpflanzerl-Schenkfest verschenkt.

Durch die Feste und all unsere befreundeten Gärtner (allem voran die Gärtnerei Kölzer und die Naturgärtnerei Wedenig in Feldkirchen) hatten wir heuer eine Vielfalt in unseren Gärten, wie wir sie uns selbst kaum erträumen konnten. In den städtischen Gärten versuchten wir Pflanzen zu setzen, die über das ganze Jahr beerntet werden können – von verschiedenen Gewürz- und Heilkräutern, über Erdbeeren bis zum sich rankenden Himbeer-Spinat waren allerlei herkömmliche Kulturpflanzen und besondere Raritäten vertreten.

Auf unserem Gemüseacker und dem Garten in Mallestig ging es heuer wirklich rund. Abgesehen von den zehn Reihen Kartoffeln unterschiedlichster Sorten, konnten wir heuer das erste Mal wirklich ertragreich Gemüse anpflanzen. Für einige von uns war heuer DAS Zucchini- Gurken- und Kürbisjahr – für andere das Jahr der Bohnen und „Strankalan“, wie sie bei uns heißen. Vor allem waren wir auch von den tollen Paprika- und Chilipflanzen, dem Mangold, dem Poree und den unzähligen Krautköpfen entzückt.

Auf dem Gemüseacker in Finkenstein, den wir bewirtschaften dürfen, haben wir heuer auch schon die ersten Permakultur- und Wildniskultur-Elemente eingebaut. In einer Wildniskulturzone konnten wir Gemüse anbauen (vor allem Kürbis, Kartoffeln, Mais, Bohnen, Radieschen und Paprika) ohne dabei zu jäten und die Fläche zu pflegen. Mit großer Verwunderung stellten wir fest, dass die Kartoffeln in diesem Bereich am größten waren und nebenbei auch noch am wenigsten von Käfern befallen waren. Nächstes Jahr werden wir gespannt beobachten, was sich selbst ausgesät hat und in der Wildnis von Beikräutern und Gemüsepflanzen wächst und gedeiht. Außerdem haben wir heuer zwei Bohnentipis aufgebaut – diese waren nicht nur wunderschön anzusehen, sondern sie spendeten den Gärtnern sowie Schatten-liebenden Pflanzen ein wenig Sonnenschutz. Die Gewürzkräuter wie Majoran, die Zitronenverbene wie auch der Anisysop fühlten sich neben den Tipis besonders wohl.

Was neben der Gartlerei so alles lief?

Natürlich ist man, wenn man versucht sich selbst zu versorgen, nicht nur im Garten aktiv. Nebenbei versucht man auch noch so viel wie möglich haltbar zu machen, um auch über die kalte Jahreszeit versorgt zu sein und nicht auf den Supermarkt zurückgreifen zu müssen. Also haben wir in der großen Küche der E.R.D.E.* fleißig eingekocht, sauer eingelegt, getrocknet, gedörrt und fermentiert. Auf Anfrage gäbe es auch so einige tolle Rezepte, die wir gerne mit euch teilen! 🙂

All die Freude und Kraft, die heuer in den Garten und den Anbau von Lebensmitteln geflossen sind, mündeten dann in einem wundervollen Fest – dem Herbstfest – wo wir all die feinen, unbezahlbaren Köstlichkeiten miteinander teilten, gemeinsam verkosteten und den ereignisreichen Sommer Revue passieren ließen. Wir freuen uns auch darüber nächstes Jahr bei den Saatgutfesten und anderen Veranstaltungen wieder unsere selbst produzierten Lebensmittel anbieten zu können.

Nun freuen wir uns über den Winter – die Zeit in der wir Saatgut ausfieseln, sortieren und die nächste Gartensaison planen – denn die kommt bestimmt!