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Die Kanaltaler-Siedlung kann noch gerettet werden

von Lennart

wegwerfgesellschaft kanaltalersiedlung

In der am Freitag stattfindenen Gemeinderatssitzung wird über den nächsten Bauabschnitt für die Kanaltalersiedlung abgestimmt. Am selben Tag demonstrieren die Initiativgruppe Kanaltalersiedlung zusammen mit den Fridays for Future Kärnten und den Scientists for Future Kärnten für eine klimagerechte Politik und den Stopp des Neubauprojekts. Warum aus unserer Sicht und der vieler Expert:innen eine Sanierung sinnvoller wäre und wie die Bewohner:innen der Siedlung und ihre Anliegen von der Landeswohnbau Kärnten und den etablierten Parteien ignoriert wurden, haben wir in dieser Pressemitteilung zusammengefasst:

Bis zum Ende des Jahres 2030 soll die historische Kanaltalersiedlung abgerissen und an ihrer Stelle Neubauwürfel errichtet werden: ein neuer Stadtteil entsteht, ohne dass die Bewohner:innen mit einbezogen werden. Nach langem ehrenamtlichen Einsatz der Bürger:innen in der Kanaltalersiedlung beschloss der Gemeinderat Villach 2017 einstimmig eine Resolution. Diese verlangte vom Land Kärnten als Eigentümerin einen sofortigen Planungsstopp und einen Bürger:innenbeteiligungsprozess. Obwohl dies nicht geschah, wurden weitere Bauschritte von der Mehrheit der Villacher Parteien beschlossen. In Lienz hat die SPÖ Bürgermeisterin Elisabeth Blanik einen anderen Weg gewählt. Sie setzte sich vehement für die Bürger:innen der dortigen „Südtiroler-Siedlung“ ein. Die Lienzer Sozialdemokrat:innen kritisierten vor allem die steigenden Mieten nach dem Neubau, auch die Grünflächen der Anlage sollten in ihrer besonderen, sozio-ökologischen Form erhalten bleiben.

In Lienz wurde erkannt, dass die Gemeinde hier politische Verantwortung trägt. Wir können diesen Prozess mit jedem Amtsvortrag stoppen. Den engagierten Bewohner:innen der Kanaltalersiedlung und ihren Anliegen sollte endlich angemessen Gehör geschenkt werden“, apelliert Sascha Jabali, Bewegungssprecher von Verantwortung Erde.

Die Bürger:inneninitiative „Initiativgruppe für die Neue Heimat-Kanaltalersiedlung“ hat sich jahrelang für eine Sanierung der Siedlung eingesetzt und einen Beteiligungsprozess eingefordert. Dort engagieren sich mehrere Expert:innen wie Architekt:innen, Bauingenieur:innen oder Stadtplaner:innen. Ihre Expertise hat auch das Land Kärnten überzeugt, denn ihre Vorschläge zu einem Bürger:innenbeteiligungsprozess wurden in den neuen Richtlinien zur Wohnbauförderung gesetzlich verankert.

Solch engagierte Bürger:innen sind eigentlich ein Geschenk für die Stadt Villach. Statt einen fruchtbaren Dialog zu eröffnen, werden die Anliegen und auch die Expertise der Bürger:innen ignoriert. Das in den „25 Punkten für Villach“ gesetzte Ziel von mehr Bürger:innenbeteiligung sehen wir als unverzichtbaren Schritt in Richtung gelebter Demokratie, leider hapert es bei der Umsetzung. Wir appellieren an die Kolleg:Innen im Gemeinderat, sich selbst, die von Ihnen beschlossene Resolution und die 25 Ziele ernst zu nehmen und den Prozess zu stoppen, bis die Bürger:innen einbezogen und die Sanierungs-Alternativen angemessen geprüft wurden. Noch gibt es die Möglichkeit, die Zerstörung der Kanaltaler-Siedlung abzuwenden”, so Jabali abschließend.

Noch einige Fakten:

Viele Mieter:innen – vor allem Senior:innen – können sich die Mieten in den Neubauwohnungen nicht leisten. Die Kosten steigen von 7€/m² auf 8€/m², die neuen Wohnungen sind ca. 28% größer, was viele Mieter:innen gar nicht brauchen.
– Eine Sanierung der Siedlung ist möglich, auch wenn anderes behauptet wird. Dies zeigte ein von der Initiative beauftragtes Architekturbüro.
– Ein Neubau emmitiert etwa dreimal so viel CO2 im Vergleich zu einer Vollsanierung. Dies wurde ebenfalls von den Expert:innen bei der Initiativgruppe errechnet. Eine Ökobilanz des Projekts wurde seitens der LWBK nie erstellt.
– Die Gesamtbaukosten einer Sanierung liegen unter denen des Neubaus (hierzu liegt eine detaillierte und professionelle Baukostenabschätzung vor). Im Stadtentwicklungskonzept “SteVi2025” geforderte Qualitäten wie Flächen für „Urban Gardening“ und urbane Allmende (Gemeingut) sind in der Siedlung bereits seit 80 Jahren vorhanden. Villach hat damit ein einzigartiges Best-Practice Projekt. Ein Abriss bedeutet die unwiderbringliche Zerstörung dieses sozialen und ökologischen Biotops. Mit einer Sanierung kann dieses Biotop für die Mieter:innen und deren Enkel erhalten bleiben.

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