Mit Stadtteil-Oasen die Villacher Ortskerne beleben

Villach ist als Stadt geografisch einzigartig. Aus städteplanerischer Sicht geht diese Einzigartigkeit stark auf die historische Eingemeindung ehemals selbständiger Ortschaften zurück. Darum finden sich neben einem klar definierten Stadtzentrum innerhalb des Stadtgebietes von Villach auch periphere Stadtteil-Zentren, die in ihrer heutigen Form kaum noch als solche wahrgenommen und genutzt werden.

Ausgehend vom Prinzip der „Superblocks“, das in Barcelona erfolgreich angewendet wird, schlagen wir vor diese historischen Ortskerne wiederzubeleben sowie die städteplanerischen Möglichkeiten und den Fokus, der derzeit beinahe gänzlich auf der Innenstadt liegt, auf diese Bereiche auszuweiten.

Konkret soll langfristig in jedem Stadtteil von Villach ein verkehrsberuhigtes Zentrum entstehen, das den Bewohnern als Ort der Begegnung und des Austausches dient. Innerhalb dieser „Oase“ sollen die grundlegenden Bedürfnisse der Stadtteil-Bewohner möglichst in Geh- bzw. Rad-Reichweite befriedigt werden können.

Wir sehen folgende Komponenten als sinnvolle, mögliche Puzzle-Stücke die je nach den Bedürfnissen der Bewohner des jeweiligen Stadtteils zusammengestellt und natürlich auch um weitere Komponenten erweitert werden können:

Stadtteil-Oasen und Mobilität

Innerhalb der Stadtteil-Oasen gibt es künftig keinen Durchzugsverkehr mehr. Parkmöglichkeiten stehen – wenn überhaupt – nur sehr eingeschränkt zur Verfügung. Damit dies möglich ist, bedarf es einer bestmöglichen Anbindung an den öffentlichen Verkehr.

Daher wird der getaktete, öffentliche Verkehr in Villach künftig primär an der Vernetzung dieser Stadtteil-Oasen ausgerichtet. Dies bedeutet, dass das Ziel des öffentlichen Verkehrs in Zukunft eine barrierefreie und zeiteffiziente Verbindung zwischen den einzelnen Stadtteil-Oasen ist. In den Stadtteil-Oasen angekommen, bietet sich die Stärke der Multimodalität an. Diese sollen künftig als Mobilitäts-Hubs fungieren. Bedürfnisgerecht stehen dort Bike-, und Carsharing Angebote, eine sehr gut ausgebaute Radinfrastruktur und Mitfahrbänke bereit, die dabei helfen an das jeweilige Ziel zu gelangen.

Darüber hinaus schlagen wir vor zwischen den Stadtteil-Oasen und der Innenstadt durchgängige, baulich getrennte Radhighways und Rad-Vorrangsstraßen zu errichten, die das Fahrrad zu einer ernsthaften, sicheren und schnellen Alternative zum motorisierten Individualverkehr machen.
Durch die Verkehrsberuhigung innerhalb der Stadtteil-Oasen wird darüber hinaus das Gefahrenpotential für besonders gefährdete Verkehrsteilnehmer sehr jungen oder gehobenem Alters stark verringert. Besonders dem Schutzaspekt ist in der Verkehrsplanung der Zukunft eine wesentlich höhere Priorität einzuräumen.

Neben der städteplanerischen Funktionalität, ist es uns vor allem ein Anliegen, dezentrale, öffentliche Räume zu entwickeln, die als Orte der Begegnung und des Austauschs dienen und so die nachbarschaftlichen Strukturen stärken. Durch die Revitalisierung historischer Kerne und die Entwicklung neuer „Oasen“, sollen pulsierende Zentren der einzelnen Stadtteile entstehen die zum Wohlfühlen, Aufhalten und Verweilen einladen und somit auch zu Lebensmittelpunkten werden. Als besonders wichtig erscheint uns hierbei die Schaffung von Freiräumen wie offenen Werkstätten, offenen Küchen, Werkzeugbibliotheken und Schenk-Räumlichkeiten usw.

Die genannten Bestandteile der Stadtteil-Oasen sind als Vorschlag zu verstehen. Die detaillierte Gestaltung der einzelnen Oasen ist in erster Linie mit den Menschen vor Ort im Zuge von Bürgerbeteiligungsprozessen zu definieren.

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