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Blumenwiese nicht für Autowaschanlage zerstören

von Lennart

In der nächsten Gemeinderatssitzung soll eine weitere Grünfläche einem zukunftsfeindlichen Projekt zum Opfer fallen. Auf ca. 8.200 Quadtratmetern soll eine vollautotische Autowaschanlage entstehen. Hier findet ihr unsere Presseaussendung dazu:

In der Bruno-Kreisky-Straße soll eine Blumenwiese einer vollautomatischen Autowaschanlage weichen. Verantwortung Erde sieht in privatem Profit-Interesse keine Rechtfertigung für eine weitere Zerstörung der Lebensgrundlage Boden.

Vor der Wahl wurde von allen Seiten unterstrichen, wie wichtig es ist, die Ressource Boden zu schützen und zu erhalten. Die Bewegung Verantwortung Erde zeigt sich enttäuscht von den etablierten Parteien, die nur wenige Monate nach der Wahl ihre guten Vorsätze bereits in mehreren Fällen gebrochen haben. Die Bewegung appelliert allen voran an die Mehrheitspartei SPÖ – aber auch an FPÖ und ÖVP, den Umwidmungsplänen von derzeit Grünland in künftig Bauland nicht zuzustimmen.

„Wer im Jahr 2021 den Bau einer Autowaschanlage auf der grünen Wiese forciert, nimmt die ökologische Krise offenbar nicht ernst oder ignoriert sie. Eine Trendumkehr im Bodenverbrauch ist angesichts der längst ausgeuferten Verbauung in unserer Stadt dringend notwendig. Wir müssen die verbleibenden, lebendigen Böden in Villach schützen und dürfen sie nicht länger privaten Profit-Interessen opfern.” stellt Bewegungssprecher Sascha Jabali fest.

Die Verschwendung von fruchtbarem Boden zeigt sich bei der ebenerdigen Verbauung durch Geschäfte und weitläufige Parkplätze gerade im Gebiet um die Maria-Gailer-Straße besonders deutlich. Dies ist leider ein Lehrbeispiel für eine ökologisch katastrophale Stadtplanung. Die politischen Entscheidungen der letzten Jahrzehnte haben dazu geführt, dass Villach unter den 15 größten Städten Österreichs bereits jetzt die dritthöchste Flächeninanspruchnahme pro Kopf hat. In Villach kommen auf eine:n Einwohner:in 478m² verbrauchte Fläche, die weder ihre existenziellen, natürlichen Funktionen erfüllen kann noch für unsere Lebensmittelproduktion zur Verfügung steht.

villach flächeninanspruchnahmeNach Wien hat Villach das größte Stadtgebiet, allerdings ist davon ein sehr großer Teil der Naturpark Dobratsch, die Gerlitzen und die Ossiacher Tauern. Aus der außerordentlich großen Stadtfläche ergibt sich auch, dass Villach „nur 15% Bauland“ hat, womit die SPÖ dieses umweltfeindliche Projekt gegenüber der Kleinen Zeitung rechtzufertigen versuchte. Mit dieser Zahl beweisen zu wollen, dass Villach kein Problem mit Versiegelung hat, ist aus Sicht der Verantwortung Erde der Versuch von Greenwashing. Der sogenannte Dauersiedlungsraum, in dem wir wohnen und Lebensmittel produzieren, ist in Villach sehr begrenzt. Der Erhalt jedes Quadratmeters intakter Grünfläche ist darum besonders wichtig.

„Wir sehen in Villach keinen Mangel an Autowaschanlagen. Der Boden schwindet jedoch zunehmend und mit ihm eine der wichtigsten Lebensgrundlagen für unsere Kinder und zukünftige Generationen.
Es ist für uns nicht nachvollziehbar, mit welchem öffentlichen Interesse eine Umwidmung und somit auch eine massive Wertsteigerung gerechtfertigt sein soll, die nur den Investor:innen nützt”, so Jabali weiter.

Ein Recht auf Umwidmung –  und damit auf Wertsteigerung – existiert nicht. In jedem Fall ist es die Aufgabe des Gemeinderats, das öffentliche Interesse am Bauvorhaben mit dem Interesse an einer intakten Natur und den ökologischen Folgen abzuwägen und nicht einfach Investor:innen-Wünsche durchzuwinken, während eine Grünfläche nach der anderen dem ungebremsten Bauwahn zum Opfer fällt.

„Besonders irritierend ist die Aussage des zuständigen Stadtrats Sobe, der gegenüber der Kleinen Zeitung anmerkte, dass es sehr schwierig gewesen sei, für diese Fläche überhaupt ein Projekt zu finden. Wir sehen es nicht als Aufgabe der Politik, händeringend nach Investor:innen zu suchen, die unsere landwirtschaftlichen Nutzflächen verbauen. Wir erachten es hingegen als notwendig, uns gemeinsam mit den Kolleg:innen händeringend um den Schutz unserer Böden und damit unserer Lebensgrundlagen zu bemühen. Eine Autowaschanlage ist kein Zukunftsprojekt. Der Versuch, dies mit nachhaltiger Bauweise zu verschleiern, ist durchschaubar. Ein Neubau auf der grünen Wiese kann nicht nachhaltiger sein als ihr Schutz und Erhalt. Es ist höchste Zeit, diese Greenwashing-Politik zu überwinden und endlich verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen.“ so Jabali abschließend.

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