5G – Fluch oder Segen? Ein Kommentar von Gerald Dobernig

Wie schon bei der Einführung bisheriger Drahtlostechnologiestandards, ist auch beim Thema 5G die Verunsicherung groß. Verstärkt wird diese zum Teil durch unverantwortliche Meldungen, die teilweise falsche oder grob vereinfachte Sachverhalte zu reißerischen Meldungen aufbauschen.
Dies allein klärt jedoch die Frage nach der Wirkung der 5G Technologie auf Umwelt und Mensch noch nicht. Denn sowohl Befürworter als auch Gegner der Technologie schaffen es bislang nicht, die zentralen Fragen inhaltlich zu beantworten. Klar ist: Langzeitstudien zur Technologie kann es noch keine geben. Aber bedeutet dies, dass wir das Vorsorgeprinzip außer Acht lassen können?

Die Diskussion über die 5G-Technologie wird in erster Linie von drei zentralen Fragen geprägt.

· Sind die Frequenzbereiche – die sich dem Mikrowellenbereich annähern – gefahrlos nutzbar?
· Ist die massive Zunahme der Anzahl an Sendestationen ungefährlich?
· Ist die „Zwangsbeglückung“ der gesamten Bevölkerung sinnvoll und ethisch sowie rechtlich zulässig?

Zumindest zur ersten Frage scheint es erste wissenschaftliche Evidenzen zu geben. Unter Laborbedingungen und in Kleinversuchen konnte keine negative Wechselwirkung zwischen Umwelt und der Strahlungstechnologie festgestellt werden.
Jedoch führt dies direkt zur zweiten Frage: Unter realen Bedingungen haben die 5G Frequenzen den großen Nachteil,dass Ihre Reichweite gegenüber herkömmlichen Technologien stark verkürzt ist. Somit muss sich für einen flächendeckenden 5G-Betrieb die Anzahl der Sendestationen massiv erhöhen. Zusätzlich müssen diese Stationen künftig – nicht wie bisher am Dach – sehr nahe an den technischen Empfangsgeräten angebracht werden. Das heißt, dass sich die durchschnittliche, physische Nähe von Personen und Empfangsgeräten zur Sendeanlage mit der 5G-Technologie stark verringern wird.
Es ist zum heutigen Zeitpunkt nicht möglich, eine Aussage über die mittel- und langfristige Wirkung dieser Strahlenexposition auf Mensch und Umwelt zu treffen. Das heißt, dass sowohl Schreckensszenarien, wie auch Entwarnungen zum heutigen Zeitpunkt nicht faktenbasiert geschehen können.
Dies bringt uns zur letzten, und eigentlich spannendsten Frage: Ist es allen Menschen zumutbar, in ihrem Lebensraum mit den etwaigen negativen Auswirkungen dieser technischen Erneuerung leben zu müssen?
Vorweg ist hier anzumerken, dass es bereits heute schon Menschen gibt, die von negativen Beeinträchtigungen durch elektromagnetische Strahlenwirkung berichten. Studien zu diesem Thema sind zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen. Für mich persönlich erscheint die Ansicht, dass die allgegenwärtige Bestrahlung mit elektromagnetischen Feldern auf einen Organismus, dessen Funktionsweise sich stark an elektromagnetischen Prozessen orientiert, gar keine Auswirkung haben könnte, reichlich naiv.
Aus gesundheitlicher und ökologischer Sicht widerspricht der aktuelle Wissensstand über die Technologie jedenfalls dem Vorsorgeprinzip. Auch ein Aufzwingen der Technologie gegenüber Personen, die gesundheitliche Auswirkungen befürchten, widerspricht aus meiner Sicht dem Minderheitenschutz, dem wir uns in der Demokratie verpflichtet fühlen.
Noch vielsagender ist hierbei jedoch die Betrachtung der Sinnhaftigkeit dieser Technologien und vor allem der Vorstoß in der Stadt Villach. Aktuell gibt es keine Trägertechnologien, die den Standard 5G benötigen. Das heißt: Es gibt kaum Empfangsgeräte, die 5G überhaupt empfangen könnten. Darüber hinaus gibt es jedoch aktuell überhaupt keine praktischen Anwendungen, für die 5G unbedingt benötigt werden würde. Die immer wieder plakativ genannte Anwendung des autonomen Fahrens befindet sich noch mindestens 10 Jahre in der Zukunft. Hierzu würde ich aber dringend empfehlen, die schon über lange Zeit versäumten Hausaufgaben nachzuholen, bevor man sich über die Mobilität der nächsten Generation Gedanken macht: In einer Stadt, in der es keinen wahrnehmbaren öffentlichen Verkehr gibt, gäbe es genug Themen, die nicht erst seit gestern dringend nach Aufmerksamkeit verlangen und mit denen man sich beschäftigen könnte, bevor man Technologien fordert und befördert, deren Auswirkungen nicht abschätzbar sind und die jeden einzelnen Menschen in unserer Stadt betreffen.
Als Verantwortung Erde sind wir immer wieder bemüht, uns politisch vorrangig mit den Themen zu beschäftigen, die in der Kompetenz der Gremien liegen, in denen wir vertreten sind. Die aktuelle 5G Situation wurde auf Bundesebene bei Lizenzversteigerungen entschieden. Danach hat eine private Firma, die österreichweit das Recht zur Nutzung bestimmter Frequenzen besitzt, entschieden Villach zu einer Testregion zu machen. Diese Entscheidung betrifft den Villacher Gemeinderat weder direkt, noch indirekt. Als Bewegung (die dezidiert keine Partei ist), nehmen wir daher für uns das Recht in Anspruch, zu manchen Themen keine einheitliche Meinung zu haben und nach außen kommunizieren zu müssen. Wir bitten hier um euer Verständnis.

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